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Liegen bleiben ist keine Option

Früher gefragter Aktivspieler, später unermüdlicher Förderer "seines" Sports: Fredy Erzinger hat sein Leben ganz dem Handballsport verschrieben und das Gesicht des Emmer Handballs über Jahrzehnte massgeblich mitgeprägt. Bei Bedarf gab’s dabei gar Unterstützung vom Bundespräsidenten.

Wer sich mit Fredy Erzinger auf ein Kaffee zum Gespräch trifft, muss jederzeit mit Unterbrechungen rechnen. Dies nicht etwa deshalb, weil Erzinger nichts zu erzählen hätte. Ganz im Gegenteil: Der 73-Jährige trägt immerzu ein tonnenschweres Buch voller Geschichten mit sich, aus dem er leidenschaftlich gerne zu berichten weiss. Dass sein Erzählfluss hie und da unterbrochen wird, liegt schlicht daran, dass der redselige Emmer in der Region bekannt ist wie ein bunter Hund und kaum jemand ohne kurzes Intermezzo an ihm vorbeigehen kann.

Tiefe Leidenschaft für den Handballsport
Fredy Erzinger ist in Emmen aufgewachsen und arbeitete hier lange Zeit im Aussendienst einer Versicherungsgesellschaft. Dass er die Leute kennt und die Leute ihn kennen, liegt aber auch an seiner Verbundenheit mit dem hiesigen Handballsport. Von 1963 bis 1982 war Erzinger Aktivspieler beim TV Emmenstrand, stieg mit der Mannschaft bis in die höchste Liga des Landes auf, liess sich damals  während einer Weltreise zum Vereinspräsidenten wählen und lernte in dieser Zeit vor allem eines: den Handballsport zu lieben.

Vor 17 Jahren übernahm der heute 73-jährige Sportenthusiast das Präsidentenamt des Gönnervereins HCE-Connection, der den Handballclub Emmen unterstützt. Ein Ehrenamt, in das er irgendwie reingerutscht sei, wie Erzinger verschmitzt lächelnd erzählt, eher er sich einen tiefen Schluck Kaffee gönnt. Auf Anfang Jahr ist er zurückgetreten – vom Amt notabene, denn vom Handballsport, so wird im Gespräch schnell klar, wird Fredy Erzinger Zeit seines Lebens nicht mehr loskommen.

Fredy Erzinger, wie steht es um den Handball in Emmen?

Der ersten Mannschaft geht es nicht so gut. Sie hat den Tritt in der Nationalliga B nie richtig gefunden und wird in der kommenden Saison wieder eine Liga tiefer spielen. Ich teile die Meinung von Club-Präsident Thomas Dürger, wonach der Aufstieg ein Jahr zu früh gekommen ist. Aber klar, du kannst den Spielern nicht sagen, hört auf zu gewinnen, weil wir jetzt noch nicht aufsteigen sollten. Wenn ich hingegen sehe, was hinten nachkommt, dann stimmt mich das sehr zuversichtlich. Handball Emmen verzeichnet einen unglaublichen Aufschwung im Nachwuchs, was mich ungemein freut. Es braucht einfach noch ein paar Jahre Geduld.

Handball geniesst in Emmen seit jeher ein grosses Ansehen. Woher kommt das?

Handball hat vor allem auf dem Platz Emmenbrücke eine lange Tradition, die unter anderem bis in die Gründungszeit der Handballabteilung des Turnvereins Emmenstrand in den 1960erJahren zurückreicht. Das hohe Ansehen ist sicherlich dem Erfolg sowohl des TV Emmenstrand als auch des ATV Emmenbrücke geschuldet. Am Erfolg alleine liegt es aber nicht, zumal die sportliche Bilanz von einem ständigen Auf und Ab geprägt war. Massgeblich zum Ansehen des Emmer Handballs beigetragen haben allem voran die jeweilige Vereinsführung und die starke Nachwuchsbewegung. Und wir hatten gute Trainer, die das Feuer zum Brennen brachten und so vor allem die Jungen begeistern konnten.

Woher rührt Ihre Begeisterung für den Handballsport?

Ich habe selber lange Zeit Handball gespielt, von der dritten bis in die oberste Liga. Als Linkshänder hatte ich einen Vorteil, weil alle Clubs Linkshänder brauchen konnten. Handball hat mich schon früh begeistert, einerseits weil ich durch und durch Mannschaftsspieler bin und der Zusammenhalt im Team für mich immer schon im Vordergrund stand. Andererseits gefällt mir Handball, weil die Sportart dich zwingt, dich deiner Person auf dem Spielfeld zu stellen. Handball fordert und fördert Körper und Charakter sehr. Du kannst beispielsweise nicht einfach auf dem Boden liegen bleiben, wenn etwas nicht funktioniert. Das Spiel läuft weiter, ob du am Boden liegst oder nicht.
 

«Handball fordert und fördert Körper und Charakter sehr.»

Hat der Handballsport eine erzieherische Komponente?

Definitiv. Ich würde das allerdings nicht auf den Handballsport begrenzen. Beim Sport allgemein lernt der Mensch, mit sich und anderen umzugehen, den Bettel nicht einfach hinzuschmeissen, in der Mannschaft zu agieren und auch dann dran zu bleiben, wenn es mal nicht wunschgemäss läuft. Natürlich spielen bei der jeweiligen Sportart persönliche Präferenzen eine Rolle. Aber der Handball ist körperlich sehr intensiv. Gleichzeitig musst du auch im Kopf immerzu hellwach sein. Diese Kombination hat mir immer gefallen.

Gibt es einen besonderen Erfolgsmoment, an den Sie gerne zurückdenken?

Ich bin nicht sicher, ob sich das als Erfolgsmoment bezeichnen lässt, aber es gibt eine Anekdote, die mir oft nicht so richtig geglaubt wird, obwohl die Geschichte wahr ist. Einst spielte der beste Ausländer der Liga bei uns. Wir brauchten aber eine Aufenthaltsbewilligung für ihn, damit er bleiben durfte. Zu dieser Zeit wurde Bundesrat Kurt Furgler, der damals zugleich Bundespräsident war, an einer Versammlung des Schweizerischen Handballverbandes zum Ehrenmitglied ernannt. Im Zuge dessen versicherte er uns, dass wir uns bei Problemen jederzeit an ihn wenden dürften. Also rief ich nach Bern an und verlangte den Bundespräsidenten ans Telefon. Ich weiss noch, wie mir der Atem stocke, als ich ihn kurz darauf tatsächlich am Apparat hatte (lacht). Jedenfalls war die Sache mit der Aufenthaltsbewilligung 30 Tage später erledigt.

Als langjähriger Präsident der HCE-Connection blieben sie dem Handballsport auch nach Ihrer aktiven Zeit weiterhin treu. Welchen Zweck verfolgt der Verein?

Die HCE-Connection ist eine Supporter-Vereinigung. Die Idee dahinter ist, dass wir im Allgemeinen den Handballsport und im Speziellen den Emmer Handball finanziell und ideell unterstützen. Der grösste Teil des Mitgliederbeitrages, der übrigens seit der Vereinsgründung vor 22 Jahren noch immer derselbe ist, fliesst direkt an den Handballclub Emmen. Die Förderung der Nachwuchsabteilung liegt uns dabei besonders am Herzen.

Was muss man sich unter ideeller Unterstützung vorstellen?

Dabei geht es um jegliche Art von Unterstützung, die sich nicht mit Geld kaufen lässt. Das fängt bei Anfeuerungsrufen während den Spielen an und geht hin zur Verbreitung des Handball-Fiebers. Den Handballsport ideell unterstützen heisst grundlegend, die Begeisterung für den Handballsport nach aussen zu tragen und andere damit anzustecken.

Wer macht mit bei der HCE-Connection?

Unser Mitgliederfeld ist sehr vielfältig: Unternehmer, Führungskräfte, Einzelpersonen aus den verschiedensten Berufen und Bereichen sowie Privatpersonen sind Mitglieder der HCE-Connection. Ein wichtiger Vorteil für die Mitglieder besteht darin, dass sich private und geschäftliche Kontakte bei regelmässigen Treffen und Anlässen pflegen und ausbauen lassen.

Die Infrastruktur des hiesigen Handballclubs ist ein brennendes Thema. Wie stehen Sie zum Anliegen einer neuen Halle?

Für die sportliche Tradition, die der Handball hier geniesst, wäre es begrüssenswert, wenn neben den beiden Fussballclubs auch der Handballclub Emmen einen standesgemässen Platz erhielte. Letztlich ist der Bau einer neuen Halle bloss noch eine Frage des Geldes. Fixfertige Pläne stecken bekanntlich griffbereit in der Schublade des HBE-Präsidenten. Hilfreich wäre ein Unternehmen, das bereit ist, mit dem Club zusammenzuarbeiten, nicht nur für den Sport, sondern vor allem für den Nachwuchs. Da lohnt es sich, zu investieren.
 

«Für die sportliche Tradition, die der Handball hier geniesst, wäre es begrüssenswert, wenn neben den beiden Fussballclubs auch der Handballclub Emmen einen standesgemässen Platz erhielte.»

Zurück zur HCE-Connection: Was hat sich über die vergangenen 17 Jahre verändert?

Viele Haare sind grau bis weiss geworden (lacht). Erfreulicherweise konnten wir aber immer auch viele Junge mit dem Handballfeuer anstecken. Es gibt nichts, das irgendwie explosionsartig gekommen wäre. Die vergangenen 17 Jahre waren viel eher von einer Kontinuität geprägt. Zu Beginn meiner Präsidentschaft zählte die Vereinigung um die 70 Mitglieder. Heute sind wir über 200. Dieser Zuwachs erfüllt mich mit Freude und Stolz, zumal viele Sponsorenvereine gegenteilige Tendenzen zu beklagen haben.

Per Anfang 2019 sind Sie als Präsident der HCE-Connection zurückgetreten. Wieso?

Ich bin 73 Jahre alt (lacht). Klar, ich hatte das Feuer bis zum Schluss, und es würde sicherlich noch weiterbrennen. Ich bin noch heute gerne mit unseren Mitgliedern zusammen. Aber alles muss irgendwann zu Ende gehen. Und ich bin zuversichtlich, dass Bernardo Capoferri, der neue Präsident, das Feuer weitertragen wird. Als Handballer und äusserst geselliger Mensch bringt er Charaktereigenschaften mit, die für ein solches Amt Gold wert sind.

17 Jahre sind eine lange Zeit. Fiel Ihnen der Abschied schwer?

Nein, der Zeitpunkt war einfach der richtige. Zudem bereiteten mir die Mitglieder einen sensationellen Abgang. Für mich war es das Grösste, an meiner letzten Generalversammlung Ende Januar mit nicht aufhörenden, stehenden Ovationen verabschiedet zu werden. Die spürbare Dankbarkeit der Vereinsmitglieder hat mich schwer beeindruckt. Einen schöneren Abgang kann man sich gar nicht wünschen.

Autor: Philipp Bucher


Fredy Erzinger
Ein ganzes Leben für den Handball: Fredy Erzinger. (Bild: pbu)

Datum der Neuigkeit 15. Mai 2019