22. Juni 2022
Insbesondere das Hochwasserereignis 2005 hat gezeigt, dass die Reuss viel Schaden im Siedlungsraum anrichten kann. Das Projekt «Hochwasserschutz und Renaturierung Reuss» soll solche Ereignisse langfristig verhindern. Der Luzerner Regierungsrat hat das 200-Millionen-Franken-Projekt nun bewilligt.

Die Bevölkerung, Unternehmen und Infrastrukturen im Reusstal sollen künftig durch das Projekt «Hochwasserschutz und Renaturierung Reuss» vor Naturereignissen wie dem Hochwasser im August 2005 geschützt werden, teilt der Kanton Luzern mit. «Zudem werden der Gewässerraum ökologisch aufgewertet, die Lebensqualität der Bevölkerung gesteigert, indem neue Erholungsräume geschaffen werden, und die Trinkwasserversorgung gesichert», heisst es weiter in der Mitteilung.

Der Luzerner Regierungsrat hat das Projekt, das 2019 öffentlich aufgelegt worden ist, bewilligt. Für den Baukredit ist eine Volksabstimmung nötig, die abhängig von den Beschwerdeverfahren frühestens 2023 erfolgen wird.

Schutz für 135'000 Menschen
Die Reuss ist der grösste Fluss im Kanton Luzern und prägt die Entwicklung des Reusstals schon seit langer Zeit. Inzwischen gilt das Reusstal als einer der bedeutendsten Lebens- und Arbeitsräume im Kanton Luzern – über 135'000 Menschen leben und arbeiten in der Region. Entsprechend gross ist das Bedürfnis nach Sicherheit und Lebensqualität.

«Wir alle haben die Bilder vom Hochwasser von 2005 noch vor Augen», sagt Regierungsrat Fabian Peter, Vorsteher des Bau-, Umwelt- und Wirtschaftsdepartements. «Es ist mir ein persönliches Anliegen, die Bevölkerung, Arbeitsplätze und Infrastrukturen im Reusstal bestmöglich zu schützen. Ich bin sehr froh, dass wir mit der Projektbewilligung einen sehr wichtigen Schritt weiter sind.»

Anrainer-Gemeinden stehen hinter dem Projekt
Während der öffentlichen Auflage des Projekts im Herbst 2019 gingen 56 Einsprachen ein, aus denen in der Folge Projektanpassungen etwa im Bereich Schiltwald und im Gebiet Studenschachen resultierten. 

«Wir haben die Anliegen der Einsprechenden ernst genommen und führten zahlreiche Gespräche mit ihnen», erklärt Regierungsrat Fabian Peter, der explizit darauf hinweist, dass mit allen einsprechenden Gemeinden eine Einigung erzielt werden konnte. «Dieses positive Signal für unser Hochwasserschutzprojekt freut mich sehr. Nun stehen alle Anrainer-Gemeinden hinter dem Projekt.» Allerdings: Mit rund einem Drittel der Einsprechenden konnte keine Einigung gefunden werden; mit den restlichen Einsprechenden konnte nur eine teilweise Einigung erzielt werden.

Für die Umsetzung des Hochwasserschutz-Projektes werden landwirtschaftliche Nutzflächen und Wald beansprucht. Die vom Projekt betroffenen Eigentümerinnen und -eigentümer von Land und Wald sollen wenn immer möglich vom Kanton Luzern Ersatzland oder -wald angeboten bekommen – sogenannter Realersatz. Entschädigungen und Realersatzforderung sind jedoch nicht Bestandteil der Projektbewilligung, sondern werden im Landerwerbsverfahren separat behandelt.

Hochwasserschutz für das Reusstal
Das Hochwasser von 2005 hat in den Gebieten der Kleinen Emme und der Reuss Schäden von rund 345 Millionen Franken angerichtet. Der Kanton Luzern hat als Reaktion darauf das Projekt «Hochwasserschutz und Renaturierung Reuss» initiiert. Das Projekt umfasst Hochwasserschutz- und Renaturierungsmassnahmen am 13,2 Kilometer langen Abschnitt vom Reusszopf bis zur Kantonsgrenze. Aufweitungen, Entlastungen und neue Dämme sollen einer nachhaltigen Hochwassersicherheit dienen. Zudem wird die von den eidgenössischen und kantonalen Gesetzen geforderte naturnahe Ausgestaltung umgesetzt.

Die Aufweitung führt zu einer generellen Absenkung des Wasserspiegels und sorgt damit für den Hochwasserschutz. Wo Siedlungen und Infrastrukturen den benötigten Platz für die Aufweitung beschränken, werden bestehende Dämme erhöht sowie vereinzelt flache Dämme neu geschaffen. Die Aufweitung bietet jedoch nicht nur Schutz vor Hochwasser, sondern wertet den Raum auch ökologisch auf. Es entsteht ein neues Naherholungsgebiet und das Grund- und Trinkwasser wird gesichert.

Hochwasserschutz Reuss
Das Projekt verspricht für Emmen mehr Hochwasserschutz, Erholung und Fischbuchten. (Bild: zvg)