23. Juni 2022
Masken und Fratzen, Gräber und Ruinen, Dämonen und Gebeine, apokalyptische Landschaften, bisweilen auch Traumstädte, Fabelwesen, anatomische Obskuritäten – das sind Inhalte in den Bildern des Max von Moos (1903-1979). Das Bild dieser Folge trägt den Titel «Persephone» stammt von 1956 und ist 1968 in die Kunstsammlung der Gemeinde Emmen gekommen. Persephone war in der griechischen Mythologie nicht nur die Göttin des Frühlings, der Blumen und der Jugend, sondern auch eine Toten-, Unterwelt- und Fruchtbarkeitsgöttin. In neudeutscher Sprache: eine Multitasking Personality.

Max von Moos zeichnete Abgründiges, er malte surrealistisch verschlüsselt – und in schönen Farben – die Welt als Pandämonium, als Heimstatt von Dämonen, von unheimlichen Lebewesen, mumifizierten und versteinerten Figuren mit Masken statt Gesichtern. Der Körper der monströsen Persephone erhebt sich wie ein vertikales Trockensteinmauerwerk, der Kopf gnomenhaft klein, von Armstümpfen beschützt. Flankiert wird der Spuk von entseelten zwerghaften Kreaturen. Deutet die Kugel auf Höhe des Bauches die Potenz der spukhaft-undurchschaubaren Fruchtbarkeitsgöttin an, die nach antiker Vorstellung für die Abfolge der Jahreszeiten verantwortlich sein soll? Max von Moos hat 1956 mehrere ähnliche Figurinen gemalt, einmal heissen sie „Die unheimlichen Grazien“, ein anderes Mal „Die Gottesleugner“.

Der Surrealist von Moos, aufgewachsen im streng katholisch-bürgerlichen Milieu, als Künstler brach er mit seiner Herkunft. Er wurde radikal antibürgerlich, antiklerikal, beschwor in seinen Bildern oft das Ende der Menschheit. Max machte eine Lehre als Dekorationsmaler in München, er interessierte sich für die Anatomie, besuchte Sezierkurse, wurde Buchantiquar, dann erst Maler. Er unterrichtete von 1933-1969 „Form und Farbe“ an der Kunstgewerbeschule Luzern und erhielt 1966 den Kunstpreis der Stadt Luzern.

Das Bild «Persephone» von Max von Moos
Das Bild «Persephone» von Max von Moos