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Patrick Schnellmann im Abschiedsinterview: «Emmen hat grosses Potenzial»

24. Januar 2026
Zehn Jahre politisches Engagement, zahlreiche Projekte und dabei stets die Menschen hinter den Zahlen im Blick: Patrick Schnellmann verabschiedet sich aus dem Emmer Gemeinderat. Als Direktor Finanzen, Immobilien und Sport prägte er zentrale Entwicklungen der Gemeinde entscheidend mit. Der Abschied fällt ihm nicht leicht, ist aber ein bewusst gewählter Schritt, der Raum für Neues schafft.

Während mehr als sieben Jahren gehörte Patrick Schnellmann dem Emmer Gemeinderat an, zuvor wirkte der Mitte-Politiker rund zwei Jahre im Einwohnerrat mit. Der Austritt löst ambivalente Gefühle aus: «Ich durfte mit vielen tollen Menschen zusammenarbeiten, das macht den Abschied nicht leicht. Gleichzeitig freue ich mich sehr auf die neue Aufgabe.»

Neuer Abschnitt in Ruswil
Mit dem Wechsel als Geschäftsführer zur Gemeinde Ruswil verabschiedet sich Pa­trick Schnellmann Ende Januar 2026 auch aus der aktiven Politik. Die neue Aufgabe sei für ihn eine spannende Perspektive und füge sich stimmig in seinen weiteren beruflichen Weg ein. Besonders freut er sich darauf, wieder Teil eines engagierten Teams zu sein: «In Ruswil komme ich erneut in ein motiviertes Umfeld – darauf freue ich mich sehr.»

Seine politische Erfahrung nimmt er als wertvollen Rucksack mit. In seiner neuen Funktion will er diese als Sparringpartner für Gemeinderat und Verwaltung einbringen. Themen wie Finanzen, Schule, Soziales oder Infrastruktur seien ihm bestens vertraut. Zudem wird er in Ruswil auch für die Wirtschaftsförderung verantwortlich sein. Ein Bereich, der ihm aufgrund seiner beruflichen Herkunft aus dem KMU-­Umfeld besonders am Herzen liege.

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Treffsicher: Beat Züsli, Patrick Schnellmann und Marco Carfora (v.l.) bei der Eröffnung des Disc-Golf-Parcours im Gersag im Oktober 2023. (Bild: pbu)

In die Exekutive, um zu gestalten
Begonnen hatte sein politisches Engagement mit dem Wunsch, Verantwortung zu übernehmen und Dinge umzusetzen. 2018 wurde Patrick Schnellmann für die damalige CVP in den Gemeinderat gewählt – von den vier Kandidaten erzielte er im zweiten Wahlgang das beste Resultat. Der Wechsel von der Legislative in die Exe­kutive war für ihn ebenso bewusster Entscheid wie auch logische Konsequenz: «Im Einwohnerrat habe ich schnell gemerkt, dass mir das Umsetzen mehr liegt als das reine Votieren.»

An seinen ersten Arbeitstag nach der Wahl erinnert er sich noch gut: «Ich war am Nachmittag hier, bekam das Kennwort für meinen Computer und dachte dann: Was mache ich jetzt?» Ein strukturiertes Einführungsprogramm habe es damals nicht gegeben. «Ich habe mich zusammen mit dem Team Schritt für Schritt in die Geschäfte eingearbeitet.»

Den besonderen Reiz der Direktion Finanzen, Immobilien und Sport sah Schnellmann in der Möglichkeit, die Gemeinde aktiv weiterzuentwickeln. Mit seinem beruflichen Hintergrund als Elektro­mechaniker, Betriebsfachmann und langjähriger Geschäftsführer brachte er fundierte Führungs- und Wirtschaftskompetenz mit. «Mit guten Leuten und klaren Zielen kann man eine Gemeinde wirklich vorwärtsbringen – weg vom reinen Verwalten hin zum Gestalten.»

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Auch fasnächtlich ganz in seinem Metier: Patrick Schnellmann treibt Geld ein für den rüüdigen Zweck. (Bild: zvg)

Projekte mit Herzblut
Während seiner Amtszeit trieb Patrick Schnellmann mehrere prägende Projekte voran. Besonders wichtig waren für ihn die Investitionen in die Schulinfrastruktur sowie die Weiterentwicklung des öffentlichen Raums, etwa mit der Öffnung des Mooshüsli-Parks sowie des Emmenparks in der Viscosistadt. Daneben entstanden neue Freizeitangebote wie der Kunstrasenplatz beim Gersag, der Disc-Golf-Parcours, das Outdoor-Gym oder die Padel-Tennis-Anlage im Rossmoos.

Trotz angespannter Finanzlage konnte die Gemeinde mehrere positive Jahresabschlüsse erzielen. Auch das Erscheinungsbild Emmens, die Wohnattraktivität und die Wahrnehmung der Gemeinde als Arbeitgeberin hätten sich spürbar verbessert. «Es geht eben nicht nur um den Steuerfuss, sondern um das Gesamtpaket einer Gemeinde.» Besonders freut es ihn, dass immer wieder ehemalige Emmerinnen und Emmer zurückkehren, um hier zu leben und zu arbeiten.

Gerne hätte Schnellmann einzelne Projekte noch bis zum Abschluss begleitet, insbesondere die Schulhausprojekte Hübeli und Meierhöfli. «Das sind grosse Vorhaben, denen die Stimmbevölkerung deutlich zugestimmt hat. Bei der Eröffnung dabei zu sein wäre schön gewesen.»

Als weitere grosse Herausforderung steht die umfassende Sanierung des Verwaltungsgebäudes an. «Dafür einen Kredit bei der Bevölkerung zu erwirken wäre ebenfalls ein spannendes Projekt gewesen – wichtig für die Mitarbeitenden und ihre Arbeits- und Umgebungsqualität.»

Finanzen im Fokus und das Sorgenkind KKG
Als Finanzdirektor stand Patrick Schnellmann regelmässig im öffentlichen Fokus. «Vielen ist nicht bewusst, dass ein grosser Teil unserer Ausgaben durch gesetzliche Vorgaben und übergeordnetes Recht gebunden ist.» Umso wichtiger sei ein sorgfältiger Umgang mit den verbleibenden finanziellen Spielräumen gewesen. Dass die Gemeinde in den vergangenen fünf Jahren positive Rechnungsabschlüsse präsentieren durfte, ist auch Schnellmanns Verdienst.

Ein besonders anspruchsvolles Thema war das Kultur- und Kongresszentrum Gersag bzw. das «Le Théâtre». Die erhoffte Belebung durch den Kunst- und Theaterplatz habe sich nicht im gewünschten Ausmass eingestellt. «Das ist eine schwierige und belastende Situation.» Das Haus werde betriebswirtschaftlich immer eine Herausforderung bleiben. Mit der Neuausrichtung sieht er jedoch Chancen, das KKG wieder stärker zu beleben, ohne dass es die öffentliche Hand dauerhaft belastet. «Entscheidend sind die richtige Balance und eine kluge Nutzung aller verfügbaren Räume.»

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Patrick Schnellmann bei der Eröffnung des Kunstrasenplatzes Gersag. (Bild: pbu)

Persönliche Prägung und eine einmalige Begegnung
Nicht schon früher in die Politik zu gehen hatte auch familiäre Gründe: Sein Vater, Peter Schnellmann, war während zehn Jahren Gemeindepräsident von Emmen. «Die Familie hat in dieser Zeit nicht nur Schönes erlebt.» Seine Mutter habe ihn bei der Kandidatur gefragt: «Willst du dir das wirklich antun?» Heute sagt Patrick Schnellmann, selbst Vater von zwei erwachsenen Kindern, ohne zu zögern: «Es hat sich gelohnt.»

Ein persönliches Highlight seiner Amtszeit bleibt die Eröffnung des Spielplatzes der Roger-Federer-Foundation beim Schulhaus Emmen Dorf. «Ich bin Fan und spiele selbst gerne Tennis. Das war ein echter Wow-­Moment.» Roger Federer ist im Sommer 2022 nach Emmen gekommen, um gemeinsam mit den Emmer Schülerinnen und Schülern den naturnahen Spiel- und Pausenplatz einzuweihen – und, umgeben von einer Kinderschar, auch gleich selber ausgiebig auszuprobieren. «Zu erleben, wie nahbar er ist, war speziell.»

«Die Haut wird dünner. Man ist quasi 24/7 Gemeinderat und kann diese Rolle in der Freizeit kaum ablegen.»

Patrick Schnellmann

Emmen bleibt Lieblingsort
Zum Abschied richtet Patrick Schnellmann vor allem Dankesworte an die Mitarbeitenden: «Die Zusammenarbeit war offen, konstruktiv und sehr wertschätzend.» Das Amt habe ihn auch persönlich geprägt. «Die Haut wird dünner. Man ist quasi 24/7 Gemeinderat und kann diese Rolle in der Freizeit kaum ablegen.» Umso mehr freue er sich nun auf mehr Zeit mit seinen Enkelkindern und der ganzen Familie, auf Sport und Erholung. Emmen bleibt Patrick Schnellmann als Einwohner und engagierter Vereinsmensch erhalten.

Per 1. Mai 2026 übernimmt Christian Blunschi (Die Mitte) die Direktion Finanzen, Immobilien und Sport. Der 47-jährige Jurist politisiert seit über zwei Jahrzehnten im Einwohnerrat und präsidiert derzeit die Bau- und Verkehrskommission. Im ersten Wahlgang vom 30. November 2025 erreichte er das absolute Mehr, womit die Mitte Emmen ihren Sitz verteidigen konnte.

Patrick Schnellmann wünscht seinem Nachfolger viel Freude am Amt und ein gutes Einleben. «Die Gemeinde hat in den vergangenen Jahren viele wichtige Schritte gemacht. Emmen hat viel Potenzial und verdient es, dass der eingeschlagene positive Weg konsequent weitergegangen wird.»

Patrick Schnellmann
Patrick Schnellmann im Mooshüsli-Park – ein Ort, der sinnbildlich für viele Projekte steht, die ihm am Herzen lagen. (Bild: pbi)