Gemeinde Emmen
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Des einen Leid, des anderen Freud: In der Einwohnerratssitzung vom 16. Dezember 2025 prallten zwei Haltungen aufeinander. Auf der einen Seite stehen Ratsmitglieder, die Emmen eine Vorreiterrolle zutrauen und mit einem kommunalen Feuerwerksverbot ein Zeichen für mehr Tierwohl, Umwelt- und Gesundheitsschutz setzen möchten. Die andere Seite stellt sich hinter die Tradition, befürchtet einen unverhältnismässigen Eingriff in persönliche Freiheiten und taxiert den Alleingang als ungeeignet.
«Die Zukunft gehört leisen, kreativen und umweltfreundlichen Formen des Feierns.»
Für Tiere, Umwelt und Mitmenschen
Klar für ein Verbot spricht sich Postulantin Claudia Bachmann (FeE) aus. Sie erkennt darin eine «gelebte kommunale Selbstbestimmung» und verweist auf andere Gemeinden, die bereits ein Feuerwerksverbot eingeführt haben. «Wir könnten mutig sein, Verantwortung übernehmen – für unsere Tiere, für die Umwelt und für unsere Mitmenschen», sagt sie.
Unterstützt wird diese Sicht von der Fraktion Grüne/GLP. Esther Ammann schildert die Situation rund um Silvester und den 1. August: «Man kann nicht schlafen, die Tiere zittern, die Luft ist verpestet.» Ein Verbot sei zwar anspruchsvoll in der Umsetzung, aber wirkungsvoll. «Die Zukunft gehört leisen, kreativen und umweltfreundlichen Formen des Feierns.»
«Ein Gesetz, das nicht kontrolliert werden kann, hat keinen Wert.»
Unverhältnismässig und kaum umsetzbar
Mitte-Rechts stellt derweil Fragen nach Zeitpunkt, Zuständigkeit und Umsetzbarkeit ins Zentrum. Für Ralf Scholze (SVP) greife ein generelles Verbot unverhältnismässig in persönliche Freiheiten ein und sei auf Gemeindeebene weder sinnvoll noch realistisch durchsetzbar. Zudem warnt er vor einem «Flickenteppich» unterschiedlicher Regelungen: «Ein Gesetz, das nicht kontrolliert werden kann, hat keinen Wert.»
Auch FDP und Mitte lehnen die Vorstösse ab. Rouven Gallati (FDP) spricht von einem «falschen Ort und falschen Zeitpunkt» und mahnt vor zusätzlichen Kosten und Bürokratie. Armin Villiger (Die Mitte) erklärt, seine Fraktion habe ursprünglich Einschränkungen prüfen wollen, verzichte angesichts der Entwicklungen auf nationaler Ebene nun aber darauf. Sollte dort keine Lösung gefunden werden, behalte man sich vor, das Thema erneut aufzugreifen.
SP ist sich uneins
Die SP zeigt sich in der Frage uneinig. Fabienne O’Loughlin betont zwar die grundsätzliche Unterstützung für weniger Lärm und mehr Schutz für Mensch und Umwelt, stellt aber ebenfalls die Durchsetzbarkeit und den finanziellen Aufwand einer kommunalen Lösung infrage – insbesondere vor dem Hintergrund der hängigen nationalen Feuerwerksinitiative.
Am Schluss folgt der Rat der Argumentation des Gemeinderates. Das Postulat für ein generelles Feuerwerksverbot (02/25) wird mit 27 zu 10 Stimmen abgelehnt, jenes für eine stärkere Reglementierung (03/25) mit 27 zu 9 Stimmen. Damit bleibt es in Emmen bei der bisherigen Praxis: Feuerwerke sind unter Einhaltung der geltenden Regeln weiterhin erlaubt – zumindest bis die Grundsatzentscheidung auf Bundesebene gefällt wurde.
Die eidgenössische Volksinitiative «Für eine Einschränkung von Feuerwerk» will den Verkauf und die Verwendung lärmerzeugender Feuerwerkskörper in der Schweiz beschränken und damit Menschen, Tiere und Umwelt besser schützen. Die Initiative wurde am 3. November 2023 mit über 137’000 gültigen Unterschriften eingereicht und damit formell zustande gebracht.
Im Parlament wird derzeit ein indirekter Gegenvorschlag zur Initiative beraten. Dieser sieht unter anderem ein Verbot von Feuerwerkskörpern vor, die ausschliesslich Knallgeräusche erzeugen («Böller»). Der Nationalrat hat diesem Gegenvorschlag im Dezember 2025 zugestimmt; das Geschäft geht nun an den Ständerat.
Über die Volksinitiative oder einen allfälligen Gegenvorschlag wird frühestens Mitte 2026 an der Urne entschieden.