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Feuerwehr Emmen: Bereit, wenn andere in Not sind

21. Februar 2026
Rund um die Uhr einsatzbereit, getragen vom Milizsystem und moderner Technik: Ein Blick hinter die Kulissen der Feuerwehr Emmen zeigt, wie viel Engagement, Organisation und Flexibilität nötig sind, damit im Ernstfall alles funktioniert.

Es ist kurz nach neun Uhr morgens an der Neuenkirchstrasse 20 in Emmenbrücke. Acht Personen sitzen bei Kaffee an einem runden Tisch – vier Mitarbeitende der Feuerwehr Emmen, vier der Zivilschutzorganisation (ZSO) Emme. Die Stimmung ist heiter. Dann die Frage in die Runde: «Der angekündigte Föhnsturm – kommt der jetzt noch oder ist der Spuk schon vorbei?» Eine Kollegin weiss: «Gemäss Medienberichten ist der Höchststand wohl erst in der kommenden Nacht.» Für die Anwesenden ist das keine beiläufige Information. Daniel Müller, Teamleiter Logistik und Technik bei der Feuerwehr Emmen, beschreibt: «Wetterlagen, Warnmeldungen und mögliche Szenarien gehören zum Alltag und werden stets im Rucksack mitgetragen.»

Feuerwehrkommandant Roger Hermann nickt. Beim Zu-Bett-Gehen stelle er sich häufig die Frage, ob er durchschlafen kann. «Aber wenn um drei Uhr morgens der Alarm losgeht, ist das Adrenalin sofort da. Dann funktioniert man.» Für die rund 140 Angehörigen der Feuerwehr Emmen kann es im Milizsystem herausfordernd sein, Einsätze, Übungen und Kurse mit dem Berufsalltag zu vereinbaren. Besonders dann, wenn ein Einsatz bis tief in die Nacht dauert und am nächsten Morgen bereits wieder die reguläre Arbeit wartet.
 

«Unter der Schutzkleidung stehen Menschen mit Gefühlen. Jede Person muss ihren eigenen Weg finden, um das Erlebte innerlich zu verarbeiten.»

Daniel Müller, Teamleiter Logistik und Technik


Milizsystem unter Druck
Wie Feuerwehreinsätze und die damit verbundenen Absenzen am Arbeitsplatz gehandhabt werden, ist in der Praxis oft unterschiedlich geregelt. Die Feuerwehr ist dabei stark auf das Verständnis der Arbeitgeber angewiesen. Es gehe um ein gegenseitiges Geben und Nehmen und darum, einen tragfähigen Konsens zwischen beruflichen Verpflichtungen und den Aufgaben in der Feuerwehr zu finden, sagt Hermann. «Gerade bei länger dauernden Elementarereignissen kann der Aufwand mehrere Tage beanspruchen.» Vielen Menschen sei kaum bewusst, welche Verantwortung und Belastung Milizeinsatzkräfte tragen – solange sie selbst nie in einer Notfallsituation waren, werde Feuerwehrarbeit oft unterschätzt.

Für die Bevölkerung ist das Milizsystem eine vergleichsweise günstige Lösung. Die Feuerwehrangehörigen erhalten lediglich eine kleine Entschädigung. Gleichzeitig besteht zwischen dem 20. und 50. Altersjahr eine allgemeine Feuerwehrpflicht; wer keinen Dienst leistet, entrichtet eine Ersatzabgabe. Würde man die insgesamt geleisteten Stunden zusammenrechnen, liessen sich damit lediglich drei Vollzeitstellen finanzieren. Das zeigt, wie stark das System vom persönlichen Einsatz und der Bereitschaft der Angehörigen getragen wird.

201 Einsätze leistete die Feuerwehr Emmen im Jahr 2025, rund ein Drittel davon nachts zwischen 19 und 7 Uhr. Dazu kommen regionale Aufgaben von grosser Bedeutung: Als Chemiewehr ist Emmen für die Kantone Luzern und Obwalden zuständig. Seit dem 1. Januar 2025 ist sie zudem Ölwehrstützpunkt «Land» für den Kanton Luzern; für Einsätze auf Gewässern sind die Feuerwehren Stadt Luzern und Region Sursee zuständig. Die Aufgabenpalette der Feuerwehren insgesamt hat sich in den letzten Jahrzehnten stark erweitert. Brandbekämpfung ist längst nur noch ein Teil davon. Technische Hilfeleistungen, Rettungen, Gefahrstoffeinsätze und Führungsaufgaben gehören heute selbstverständlich dazu.

Menschen hinter der Schutzkleidung
Erfreulich ist die personelle Situation: Für 2026 konnte die Feuerwehr Emmen zwölf neue Angehörige rekrutieren, darunter fünf Frauen. Dennoch bleibt die Mitgliedergewinnung aufwendig. Die Feuerwehr investiert viel Zeit und Ressourcen in Informationsabende und Tage der offenen Tore. Neue Mitglieder absolvieren im ersten Jahr einen zweitägigen Einführungskurs, acht Abendübungen und werden dann direkt in den Einsatzbetrieb integriert.

Was viele Aussenstehende unterschätzen, sei die innere Auseinandersetzung mit dem Erlebten, sagt Daniel Müller. Unter der Schutzkleidung stünden schliesslich Menschen mit Gefühlen. Einsätze hinterlassen Eindrücke, manchmal werden sie sofort verarbeitet, manchmal tauchen sie erst später wieder auf. «Der gesamte Ablauf eines Einsatzes mit Gerüchen, Geräuschen, Bildern und allem was dazu gehört, bleibt im Gedächtnis und kommt je nach Situation wieder hoch. Jede Person muss ihren eigenen Umgang damit finden», erklärt Müller.

Gleichzeitig betonen alle die aussergewöhnlich gute Stimmung innerhalb der Feuerwehr. Die Gemeinschaft sei familiär, getragen von Vertrauen und einem starken Netzwerk. Bei der Feuerwehr Emmen bringen Menschen aus 96 verschiedenen Berufen ihr Wissen ein – eine geballte Ladung an Kompetenz, die sowohl im Einsatz als auch im Austausch untereinander wertvoll ist.

Roger Hermann, Vater zweier erwachsener Kinder, bringt seine Motivation auf den Punkt: Es gehe ihm nicht nur darum, der Gesellschaft etwas zurückzugeben, sondern auch um die persönliche Faszination für nicht alltägliche Situationen. «Ich stehe gerne auf der anderen Seite des Absperrbandes. Bei der Feuerwehr ist kein Tag wie der andere.»
 

«Bei der Feuerwehr Emmen bringen Menschen aus 96 verschiedenen Berufen ihr Wissen ein – eine geballte Ladung an Kompetenz auf dem Platz.»

Roger Hermann, Feuerwehrkommandant


Moderne Technik für maximale Sicherheit
Zur Einsatzbereitschaft gehört auch zeitgemässe Ausrüstung. In den Jahren 2024 und 2025 wurden in Emmen neue Fahrzeuge beschafft: Ein Chemiewehrfahrzeug, ein Atemschutzfahrzeug und ein neues Einsatzleitfahrzeug als mobile Einsatzzentrale. Löschen könne man damit nicht besser als zuvor, erklärt Daniel Müller, aber Zuverlässigkeit, Ersatzteilverfügbarkeit und moderne Kommunikation seien entscheidend. Fahrzeuge der Feuerwehr stehen zwar gut geschützt und werden sorgfältig gewartet, dennoch können altersbedingte Standschäden auftreten.

Die neuen Fahrzeuge wurden nach einer detaillierten Bedarfsanalyse modular beschafft: Serienfahrgestell, individuelle Ausstattung. Jedes Fahrzeug ist ein Unikat, exakt auf die Anforderungen der Feuerwehr Emmen abgestimmt. «Wir brauchen hundertprozentige Sicherheit», sagt Hermann. «Stellen Sie sich vor, ein Alarm geht ein und unsere Fahrzeuge laufen nicht.» Gleichzeitig erleichtert die moderne Ausrüstung die Abläufe, macht die Fahrzeuge einfacher bedienbar und reduziert die Anfälligkeit für menschliche Fehler.

Mit rund 25 Jahren Einsatzzeit erreichen Feuerwehrfahrzeuge in der Regel ihr Lebensende in der aktiven Feuerwehr. Danach werden sie auf unterschiedliche Weise weitergenutzt. Manche kommen im privaten Bereich zum Einsatz, etwa in der Landwirtschaft oder für Transportaufgaben, andere dienen als Basis für Umbauten zu Wohnmobilen oder Campern.

Die Feuerwehr Emmen ist gut aufgestellt: personell, technisch und organisatorisch. Sie wird politisch getragen, wie nicht zuletzt der einstimmige Parlamentsentscheid zum Kauf des Merbag-Gebäudes im Sommer 2024 zeigt. Damit sichert die Gemeinde langfristig einen zentralen Standort für Feuerwehr, Zivilschutz und Rettungsdienst und schafft die Voraussetzungen dafür, dass auch künftig gilt, was für die Einsatzkräfte selbstverständlich ist: bereit zu sein, wenn andere in Not sind.

Zwei Männer vor einem Auto.
Daniel Müller (links) und Roger Hermann vor dem modernen Einsatzleitfahrzeug – im Ernstfall meist von Absperrband umgeben und für die Öffentlichkeit kaum zugänglich. (Bild: pbi)