Gemeinde Emmen
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Am Infoabend vom 23. April 2026 erläuterten Vertreter von Bund, Armee und Armasuisse die nächsten Schritte rund um die Einführung des F-35 sowie die geplanten Massnahmen zum Lärmschutz. Demnach soll die Zahl der Flugbewegungen künftig deutlich reduziert werden. Für Emmen sind durchschnittlich rund 1090 Starts und Landungen pro Jahr vorgesehen. Gleichzeitig wird der Trainingsbetrieb eingeschränkt: Am Montagmorgen und am Freitagnachmittag sollen keine regulären Trainingsflüge mehr stattfinden.
Klar ist aber auch, dass der neue Kampfjet spürbar lauter sein wird als die heutigen F/A-18. Geflogen wird künftig zwar nur noch etwa halb so oft, die einzelne Flugbewegung erzeugt dabei aber deutlich mehr Lärm.
Gemeinde fordert Entschädigung
Die Gemeinde Emmen begrüsst die vorgesehenen Lärmschutzmassnahmen zwar grundsätzlich, hält sie aber für nicht ausreichend. Gemeindepräsidentin Ramona Gut-Rogger macht am Anlass deutlich, dass die Belastung durch den Flugbetrieb in erster Linie von den Emmerinnen und Emmern getragen werde. «Der Flugbetrieb dient dem Schutz der Schweizer Bevölkerung», sagt Gut-Rogger, «die damit verbundenen Belastungen werden jedoch fast ausschliesslich durch die Emmer Bevölkerung getragen.»
Für den Gemeinderat ist deshalb klar: Die negativen Auswirkungen auf die Lebensqualität und die Standortattraktivität müssen kompensiert werden. Konkret fordert die Gemeinde eine finanzielle Beteiligung des Bundes an der Sanierung des Hallenbads Mooshüsli sowie eine jährlich wiederkehrende Zahlung von 500’000 Franken für das Standortmarketing. Ziel ist es, einen spürbaren Mehrwert für die Bevölkerung zu schaffen und die Attraktivität von Emmen langfristig zu sichern.
Bevölkerung bleibt kritisch
Vielen Anwesenden gehen selbst diese Forderungen zu wenig weit. Insbesondere aus dem Quartier Herdschwand kommt Kritik. Mehrere Votanten stellen die Lärmberechnungen grundsätzlich infrage oder bezweifeln, dass der F-35 mit einem dicht besiedelten Gebiet wie Emmen überhaupt vereinbar sei. «Der F-35 ist mit Emmen schlicht nicht kompatibel», bringt es ein Teilnehmer auf den Punkt. Ein derart lauter Kampfjet sei in einem Gebiet, in dem so viele Menschen leben, fehl am Platz.
Andere fordern weitergehende Entschädigungen oder zusätzliche Massnahmen. Auch der Nutzen von Schallschutzfenstern wird relativiert. «Unser Leben findet draussen statt», betont eine Teilnehmerin. Wiederholt wird zudem die Sorge geäussert, dass die effektive Lärmbelastung höher ausfallen könnte als prognostiziert – und dass die Mitwirkungsverfahren letztlich wenig Einfluss auf die Entscheidung des Bundes hätten. «Das Verfahren ist doch reine Makulatur», moniert ein Emmer. «Der Bund wird den F-35 in Emmen ohnehin auf Biegen und Brechen durchdrücken.»
Mitwirkung startet im Mai
Das angesprochene Mitwirkungsverfahren startet am 18. Mai 2026 und dauert einen Monat. Während dieser Frist haben Einwohnerinnen und Einwohner sowie Organisationen die Möglichkeit, ihre Anliegen, Hinweise, Einwände und Einsprachen schriftlich einzureichen. Detaillierte Infos dazu folgen in der Emmenmail-Ausgabe vom 7. Mai 2026.
Angesichts der kritischen Voten am Infoanlass ist davon auszugehen, dass aus Emmen zahlreiche Eingaben zum Sachplan Militär und zum Plangenehmigungsverfahren erfolgen werden. Der F-35 trifft also auf mächtig Gegenwind aus Emmen. Und die Diskussion um Lärm, Lebensqualität und Entschädigung dürfte die Gemeinde noch länger beschäftigen.