Gemeinde Emmen
Rüeggisingerstrasse 22
6021 Emmenbrücke
+41 41 268 01 11
emmen@emmen.ch
Wer seinen Abfall korrekt entsorgt, kennt das Ärgernis: überfüllte oder verschmutzte Sammelstellen, daneben wild deponierter Müll. Ein Bild, das sich in Emmen in den letzten Jahren immer häufiger zeigt. Trotz regelmässiger Reinigung und Sensibilisierungskampagnen ist keine nachhaltige Verbesserung eingetreten. Nun reagiert die Gemeinde mit einem neuen Instrument: Videoüberwachung.
Konkret werden ab Ende Mai 2026 drei besonders stark betroffene Wertstoffsammelstellen mit Kameras ausgerüstet. Die Standortauswahl erfolgte aufgrund der Häufigkeit illegaler Ablagerungen und des damit verbundenen Aufwands für Reinigung und Entsorgung.
Hohe Kosten, grosser Aufwand
Was achtlos abgeladen wird, verschwindet nicht von selbst. Der Werkdienst ist täglich im Einsatz, um illegal deponierten Abfall einzusammeln und fachgerecht zu entsorgen. Rund 75'000 Franken pro Jahr kostet die Reinigung der Sammelstellen aktuell – Tendenz steigend.
«Wir beobachten seit Jahren eine Zunahme illegaler Entsorgungen. Der Aufwand für unser Team ist erheblich, personell, logistisch und finanziell», sagt Werkdienstleiter Gerhard Kirchhofer. «Die Kameras sollen helfen, diese Entwicklung zu bremsen und die Sammelstellen wieder für alle nutzbar zu halten.»
Prävention statt Repression
Die Videoüberwachung ist vorerst auf zwei Jahre befristet, danach wird auf Basis der Erkenntnisse über die Weiterführung entschieden. Während der zweijährigen Testdauer sollen die Standorte gezielt gewechselt werden, um möglichen Verlagerungseffekten entgegenzuwirken. Die Gesamtkosten für Installation, Betrieb und Unterhalt für die zwei Jahre belaufen sich auf rund 60'000 Franken und werden innerhalb der Sonderfinanzierung Abfallbewirtschaftung verrechnet.
Für Judith Luible, Leiterin des Departements Tiefbau und Werke, ist klar: «Die anhaltende Zunahme illegaler Ablagerungen führt zu einer unverhältnismässigen finanziellen Belastung der Gemeinde. Gleichzeitig beeinträchtigt sie das Erscheinungsbild und die Funktionsfähigkeit der Sammelstellen – und schränkt jene ein, die sie korrekt nutzen.» Um diesen Missstand einzudämmen, brauche es zusätzliche, wirksame und verhältnismässige Massnahmen.
«Die Kameras sind kein Selbstzweck», betont Luible. «Es geht darum, präventiv zu wirken und klare Grenzen aufzuzeigen.» Kommt es dennoch zu Verstössen, kann eine Aufwandsentschädigung für die verursachten Kosten in Rechnung gestellt werden. Die Auswertung der Überwachungsbilder erfolgt durch intern geschultes Personal, allfällige Anzeigen werden direkt bei der Polizei erstattet. Die Massnahme entspricht den geltenden gesetzlichen Bestimmungen.
Ein Puzzleteil in der Littering-Bekämpfung
Die Videoüberwachung ist derweil nicht die einzige Massnahme gegen Littering in Emmen. Die Gemeinde setzt seit Jahren auf eine Kombination aus Sensibilisierung, Infrastruktur und gezielter Reinigung. Aktionen wie der «Abfallhaufen» auf dem Sonnenplatz, Schulprojekte oder die Kampagne «stop2drop» gegen Zigarettenstummel sollen das Bewusstsein in der Bevölkerung schärfen.
Zusätzlich beteiligt sich die Gemeinde von Mai bis Oktober 2026 an einem Feldexperiment der Interessengemeinschaft für eine saubere Umwelt (IGSU). Im Rahmen dieses Projekts werden verschiedene Massnahmen zur Sensibilisierung der Bevölkerung sowie zur Reduktion von Littering getestet. Die daraus gewonnenen Erkenntnisse fliessen direkt in die Weiterentwicklung der lokalen Massnahmen ein.
«Sauberkeit entsteht nicht von allein. Sie ist das Resultat eines respektvollen Umgangs mit unserem Lebensraum», sagt Werkdienstleiter Gerhard Kirchhofer. «Jede korrekt entsorgte Verpackung ist ein Beitrag dazu.»