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Besonderer Besuch in der Quings Academy

14. Mai 2026
Leerstand wird genutzt und in neue Möglichkeiten verwandelt: Die Quings Academy hat mit Kristina Valenkova eine internationale Künstlerin beherbergt. Was bei ihrer Ankunft niemand geahnt hat: Im ehemaligen Industrieareal in Emmenbrücke wurde durch ihr Projekt ein eigenartiger Organismus zum künstlerischen Mitspieler, der sich bewegt, als würde er denken.

Ein gelber Schleim. Weder Tier noch Pflanze noch Pilz. Er befindet sich in einem Terrarium im Zentrum eines Raums, der nach Industrie, Farbe und Keramik riecht. An die Wand projizierte Videoaufnahmen zeigen, wie er wächst, sich verzweigt, seine Richtung ändert. Langsam, tastend ­– fast, als würde er denken.

Im Rahmen ihres zweimonatigen Aufenthalts hat die Austauschstudentin Kristina Valenkova im Pilzlabor der Quings Academy in Emmenbrücke mit dem Schleim Physarum polycephalum gearbeitet. Gefunden hat Sie ihn im Komposthaufen im Innenhof des Campus, weiter kultiviert im Pilzlabor. Die Abschlussausstellung findet bei den Ateliers im ehemaligen Industrieareal an der Schulhausstrasse 21 statt. Neben dem Schleim sind essbare, skulpturale Objekte auf unterschiedlichen Unterlagen platziert, entwickelt als Nahrung für den Organismus. «Candies for a Blob» nennt Valenkova ihr Projekt. Der Schleim nimmt die Formen auf, verarbeitet und verändert sie. Es entsteht ein fragiles Geflecht zwischen Biologie, Kunst und Koexistenz.

Valenkova beschreibt ihre Arbeit so: «Dieses Wesen kann Informationen speichern, Wege optimieren und auf seine Umgebung reagieren.» Und weiter: «Es entsteht ein temporäres Ökosystem, das gegenseitige Anpassung verlangt.» Der Schleimpilz werde dabei nicht nur untersucht, sondern als Mitakteur verstanden. Als etwas, das mit seiner Umgebung in Beziehung tritt und sie aktiv mitformt.

gelber Schleim
Physarum polycephalum bildet bei der Erkundung der Oberfläche baumartige Verzweigungsstrukturen. (Bild: Kristina Valenkova)

Netzwerk-Akademie
Die Quings Academy versteht sich als selbstorganisierter Kulturort für kreative und ökologische Praxis: mit Keramikatelier, Soundraum, Küche, Garten, Teich, Pilzlabor und Ausstellungsfläche. Hier wird nicht nur gearbeitet, sondern gemeinsam gedacht, gekocht, geforscht und diskutiert – transdisziplinär und generationenübergreifend. «Ein Ort, an dem Lernen und Leben ineinandergreifen», heisst es aus dem Team.

Mit dem neuen Residenzformat «My Home is your Home» hat die Akademie ihre Räume im vergangenen Winter gezielt international geöffnet. Initiatorin Anna von Siebenthal erklärt: «Entstanden ist die Idee, als ich erfuhr, dass ich eine gewisse Zeit in einer Residenz in Paris arbeiten kann.» Ihre Wohnung und ihr Atelierplatz wären ungenutzt geblieben. Die Mitglieder waren sich schnell einig, Leerstand auch in der Quings Academy in Möglichkeiten zu verwandeln.

Das Konzept setze seit jeher auf geteilte Infrastruktur statt zusätzlichen Ressourcenverbrauch. «Nachhaltigkeit zeigt sich hier nicht nur ökologisch, sondern auch sozial: in Beziehungen, die über Grenzen hinaus entstehen», so von Siebenthal. Für Emmen bedeutet das: Ein lokaler Ort wird zu einem internationalen Knotenpunkt künstlerischer Praxis.

Ideen wachsen buchstäblich
Organisatorisch wird dieser Ansatz von David Rast mitgetragen. Als Mitglied der Quings betont er die Idee der Kreisläufe: «Kreislaufwirtschaft beginnt im Kleinen: im Teilen von Raum, Zeit und Material.» Die Akademie versteht sich damit als System, das nicht nur produziert, sondern Wissen, Ressourcen und Aufmerksamkeit zirkuliert.

Die Quings zeigt eindrücklich, welches Potenzial in selbstorganisierten, offenen Räumen steckt. Sie ist ein Ort, an dem Ideen wachsen dürfen. Manchmal sogar buchstäblich, wie der kultivierte Schleim von Kristina Valenkova zeigt.

Und auch der Campus selbst bleibt in Bewegung: Im Juli 2026 findet das Quings United statt, bei dem Studierende, Künstlerinnen und Gäste zusammenkommen, ihre Arbeiten spiegeln und das gemeinsame Studium weiterentwickeln. Die Quings Academy hat aktuell freie Studienplätze und ist jederzeit offen für Personen, die sich einbringen möchten. Interessierte sind herzlich eingeladen, sich über quings.netExterner Link wird in einem neuen Fenster geöffnet. zu melden.

Drei Menschen in einem Raum.
Anna von Siebenthal, Kristina Valenkova und David Rast (v.l.) zeigen in der Quings Academy in Emmenbrücke eindrücklich, wie Netzwerke entstehen und wachsen. (Bild: pbi)