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Geschäftsführermodell findet im Einwohnerrat keine Mehrheit

17. September 2026
Mehr Politik, weniger operative Führung: Mit dem Geschäftsführermodell möchte die SVP das Emmer Gemeinderatsamt neu aufstellen und mit kleineren Pensen attraktiver machen. Der Einwohnerrat erteilt der Idee jedoch eine klare Absage. Ganz erledigt ist die Diskussion über die künftige Ausgestaltung des Exekutivamtes damit nicht.

Die SVP argumentiert, mit einer klareren Trennung zwischen Politik und Verwaltung könnten die Pensen der Gemeinderatsmitglieder reduziert und damit die Vereinbarkeit des Amtes mit einer beruflichen Tätigkeit verbessert werden. Im Geschäftsführer- oder CEO-Modell liegt die operative Verwaltungsführung bei einer angestellten Geschäftsführung, während sich die gewählte Exekutive stärker auf politische und strategische Aufgaben konzentriert.

«Mir geht es um eine seriöse Prüfung des Modells», betont Postulant René Marti (SVP) an der Ratssitzung vom 15. September 2026. Gerade das berufliche Risiko einer Abwahl könne geeignete Personen von einer Kandidatur abhalten. Mit kleineren Pensen liesse sich dieses Risiko reduzieren. Andere Gemeinden hätten mit dem Modell bereits Erfahrungen gesammelt. Für Marti wäre es deshalb eine verpasste Chance, eine solche Organisationsform für Emmen nicht zumindest genauer unter die Lupe zu nehmen.

Gemeinderat sieht Nachteile für Emmen
Der Gemeinderat ortet darin für Emmen jedoch nicht die passende Lösung. Heute arbeitet die Gemeinde mit dem sogenannten Geschäftsleitungsmodell: Die fünf Gemeinderatsmitglieder übernehmen neben der strategischen Führung auch Führungsaufgaben innerhalb ihrer jeweiligen Ressorts. Eine deutliche Reduktion der heutigen 90-Prozent-Pensen würde deshalb Aufgaben in die Verwaltung verschieben und dort zusätzliche personelle Ressourcen notwendig machen.

«Mit einem 20-Prozent-Pensum wäre keine Bürgernähe mehr möglich», sagt Gemeindepräsidentin Ramona Gut-Rogger in der Debatte. Zudem befürchtet der Gemeinderat geringere Dossierkenntnisse auf politischer Ebene sowie weniger zeitliche Ressourcen für die Präsenz in Vereinen, an Veranstaltungen und in regionalen oder kantonalen Gremien. Die zunehmende Komplexität der Geschäfte und die Anforderungen einer Parlamentsgemeinde sprechen aus Sicht der Exekutive gegen eine grundlegende Systemänderung.

Keine Mehrheit im Parlament
Auch im Einwohnerrat findet das Geschäftsführermodell ausserhalb der SVP keine Mehrheit: Das Postulat wird mit 27 zu 9 Stimmen klar abgelehnt.

Michael Hunold (Mitte) bezeichnet die Überlegungen hinter dem Postulat zwar als nachvollziehbar, warnt jedoch davor, politische Verantwortung stärker in die Verwaltung zu verlagern: «Die Verschiebung der Verantwortung an nicht gewählte Mitglieder der Verwaltung wäre ein Verlust von Demokratie.» Chris Kravogel (Grüne/GLP) teilt die Einschätzung, dass über die Ausgestaltung des Gemeinderatsamtes gesprochen werden müsse, sieht im Geschäftsführermodell aber ebenfalls nicht die richtige Antwort.

Ganz vom Tisch ist die Diskussion damit indes nicht. Kravogel kündigt einen neuen Vorstoss für flexiblere Gemeinderatspensen an. Demnach sollen die Mitglieder des Gemeinderates nach ihrer Wahl innerhalb einer Bandbreite von 60 bis 90 Prozent selber wählen können. Fehlende Stellenprozente sollen durch Assistenzstellen aufgefangen werden.

Gemeinderat Emmen.
Der Gemeinderat sieht im Geschäftsführermodell nicht die passende Lösung für Emmen. (Bild: pbi)