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Wenn Kinder und Menschen mit Demenz den Alltag teilen

1. Oktober 2026
Vorschulkinder und Menschen mit Demenz verbringen im Emmenfeld Betagtenzentrum regelmässig gemeinsam Zeit. Was vor zwei Jahren als Pilotprojekt der Betagtenzentren Emmen AG (BZE AG) gestartet ist, gehört mittlerweile fest zum Betreuungsalltag. Eine Untersuchung der Hochschule Luzern zeigt: Von den Begegnungen profitieren beide Generationen.

Gemeinsam singen, spielen, erzählen oder einfach Zeit miteinander verbringen: Seit September 2024 teilen Kinder der Kita Luuszapfe und Menschen mit Demenz in einer Wohngruppe des Emmenfeld Betagtenzentrums einen Teil ihres Alltags. Die drei- bis fünfjährigen Kinder der Gruppe «Spielmüüs» halten sich täglich über längere Zeit in der Wohngruppe auf. Aus einzelnen Begegnungen sind dadurch feste Beziehungen entstanden.

Mit diesem Ansatz betritt die BZE AGExterner Link wird in einem neuen Fenster geöffnet. Neuland. Anders als bei punktuellen Besuchen zwischen Kindertagesstätten und Altersinstitutionen ist das generationenübergreifende Zusammensein hier dauerhaft in den Betreuungsalltag integriert. Projektinitiantin Sabine Felber bezeichnet das Modell als schweizweit einzigartig. Auch Alexie Burri von der Jugend- und Familienberatung der Gemeinde Emmen, die als Pflegekinderaufsicht zuständig ist, sagt: «Ich habe weltweit nichts Vergleichbares gefunden.»

Positive Wirkung auf beide Generationen
Wie sich das gemeinsame Betreuungsmodell auswirkt, hat die Hochschule Luzern – Soziale Arbeit im Rahmen einer Projektarbeit untersucht. Die Ergebnisse zeigen positive Effekte auf beiden Seiten: Menschen mit Demenz erleben mehr Freude, Aktivierung, soziale Teilhabe und Zugehörigkeit. Die Kinder wiederum entwickeln Empathie, Rücksichtnahme und Verantwortungsbewusstsein und kommen auf natürliche Weise mit Alter und Krankheit in Berührung. Besonders wichtig ist dabei die Regelmässigkeit der Begegnungen, weil dadurch Beziehungen wachsen können.

Voraussetzung für das Projekt sind entsprechend vorbereitete Mitarbeitende sowie der enge Einbezug der Eltern. Die beteiligten Teams aus Pflege, Betreuung und Kita wurden fachlich geschult und werden weiterhin begleitet.

Für Gemeinderat Beat Niederberger zeigt das Projekt, welches Potenzial in solchen neuen Betreuungsformen steckt: «Wenn Kinder und Menschen mit Demenz ihren Alltag miteinander teilen und voneinander profitieren können, entstehen wertvolle Begegnungen über Generationen hinweg.» Dass die BZE AG diesen Weg gehe und gleichzeitig wissenschaftlich untersuchen lasse, sei ein Zeichen von Pioniergeist und könne Impulse für die künftige Gestaltung von Betreuung, Pflege und gesellschaftlichem Zusammenleben geben.

Das Modell soll weitergeführt werden
Die Rückmeldungen der beteiligten Familien fallen ebenfalls positiv aus: Sämtliche im Rahmen der Untersuchung befragten Familien gaben an, mit der intergenerationellen Betreuung zufrieden oder sehr zufrieden zu sein. Unterstützt wurde das Projekt unter anderem durch einen Förderbeitrag der Alois & Auguste Stiftung von 30'000 Franken. Die Gemeinde Emmen erteilte im Dezember 2025 die Betriebsbewilligung.

Dass das Modell Schule machen wird, ist bereits heute klar: Beim geplanten Ersatzneubau des Hauses Mattli beim Alp Betagtenzentrum, der bis 2030/2031 bezogen werden soll, plant die BZE AG bereits eine weitere intergenerationelle Kita mit.

Pioniergeist bei der BZE AG: Seit September 2024 teilen Vorschulkinder der Kita Luuszapfe und Menschen mit Demenz in der Wohngruppe des Emmenfeld Betagtenzentrums ihren Alltag. (Bild: Eveline Beerkircher)