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Fürsorgerische Zwangsmassnahmen: Motion verlangt historische Aufarbeitung

4. Oktober 2026
Wie war die Gemeinde Emmen vor 1981 an fürsorgerischen Zwangsmassnahmen und Fremdplatzierungen beteiligt? Ein parlamentarischer Vorstoss verlangt eine historische Aufarbeitung der damaligen kommunalen Fürsorgepraxis. Die Gemeinde solle zudem ihre Mitschuld anerkennen und sich bei Betroffenen entschuldigen.

Bis 1981 wurden in der Schweiz Menschen im Rahmen fürsorgerischer Zwangsmassnahmen administrativ versorgt und zahlreiche Kinder ausserhalb ihrer Familien platziert. Betroffen waren unter anderem Menschen in Armut oder Personen, deren Lebensweise von den damaligen gesellschaftlichen Normen abwich. Viele Betroffene litten unter den Massnahmen und deren Folgen. Auch Gemeinden spielten bei der Anordnung und beim Vollzug eine zentrale Rolle.

Bund und Kanton haben dieses Kapitel der Sozialgeschichte in den vergangenen Jahren bereits umfassend aufgearbeitet. Der Kanton Luzern veröffentlichte 2012 unter anderem einen Bericht über die Kinderheime im Kanton zwischen 1930 und 1970. Auf Bundesebene trat 2017 das Gesetz über die Aufarbeitung der fürsorgerischen Zwangsmassnahmen und Fremdplatzierungen vor 1981 in Kraft. Es regelt unter anderem die wissenschaftliche Aufarbeitung, die Akteneinsicht und Massnahmen zugunsten der Opfer.

Die nun eingereichte Motion aus dem Einwohnerrat will den Blick gezielt auf Emmen richten. Bestehende Forschungsergebnisse sollen dabei einbezogen und bereits untersuchte Bereiche – etwa die Geschichte des Kinderheims Rathausen – nicht nochmals von Grund auf aufgearbeitet werden. Ziel sei vielmehr, mögliche Lücken zur konkreten Fürsorgepraxis und zur Rolle der Gemeinde Emmen zu schliessen und die Erkenntnisse der Bevölkerung zugänglich zu machen.

Politisch ist der Vorstoss breit abgestützt: Die Motion stammt aus den Reihen der Mitte und wird von Mitgliedern der Grünen, GLP, SP, FeE und FDP mitunterzeichnet. Damit sind mit Ausnahme der SVP sämtliche im Einwohnerrat vertretenen politischen Gruppierungen unter den Unterzeichnenden vertreten.

Mann blättert in historischem Dokument.
Ein Blick in die Vergangenheit: Eine Motion fordert die historische Aufarbeitung der Fürsorgepraxis der Gemeinde Emmen vor 1981. (Symbolbild: Gemeindearchiv Emmen)