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Berufswahl an der Sekundarschule: Schritt für Schritt in die Zukunft

15. Oktober 2026
Die Berufswahl gehört zu den wichtigsten Entscheidungen im ­Jugendalter. Um die Jugendlichen auf diesem Weg zu begleiten, orientiert sich die Sekundarschule am Berufswahlfahrplan des Kantons Luzern. Dieser zeigt auf, welche Schritte die Lernenden während der drei Oberstufenjahre durchlaufen, von der ersten
Auseinandersetzung mit den eigenen Interessen bis zur Lehrstelle oder einer weiterführenden Schule.

Berufswahl ist heute weit mehr als die Suche nach einem passenden Beruf. Der Lehrplan 21 definiert die «berufliche Orientierung» als festen Bestandteil des Unterrichts. Dabei stehen vier zentrale Bereiche im Mittelpunkt: 1) die eigenen Stärken erkennen, 2) die Arbeitswelt kennenlernen, 3) Entscheidungen treffen und 4) die persönliche Zukunft planen.

7. Schuljahr: Mit der Selbsterkenntnis beginnt alles
Im 7. Schuljahr setzen sich die Jugendlichen zunächst mit sich selbst auseinander. Sie reflektieren ihre Interessen, Fähigkeiten und Zukunftsvorstellungen und dokumentieren ihre Erkenntnisse im Berufswahltagebuch. Gleichzeitig legen sie ein persönliches Berufswahlportfolio an, in dem wichtige Unterlagen während der gesamten Oberstufenzeit gesammelt werden.

Anschliessend richtet sich der Blick auf die vielfältige Berufswelt. Die Lernenden besuchen Informationsveranstaltungen, recherchieren zu Berufen und lernen unterschiedliche Bildungswege kennen. Ergänzt wird der Unterricht durch ausserschulische Angebote wie das Berufsinformationszentrum (BIZ), die Bildungsmesse ZEBI, die SwissSkills oder den Nationalen Zukunftstag. Diese ermöglichen direkte Einblicke in den Berufsalltag und eröffnen oft neue Perspektiven.

Bereits gegen Ende des ersten Oberstufenjahres erstellen die Jugendlichen ihren Lebenslauf und beginnen, erste Schnupperlehren zu organisieren. Damit sammeln sie wichtige Erfahrungen und können ihre Vorstellungen mit der Realität vergleichen.

8. Schuljahr: Wenn die Berufswahl konkret wird
Im 8. Schuljahr nimmt der Berufswahlprozess deutlich an Fahrt auf. Nun geht es darum, Interessen zu vertiefen und konkrete Entscheidungen vorzubereiten. Besonders wichtig sind dabei Schnupperlehren, Betriebsbesichtigungen und der Berufserkundungsparcours. Die Jugendlichen erleben Berufe direkt vor Ort und erhalten wertvolle Rückmeldungen von Berufsbildenden und Lernenden.

Viele Jugendliche erkennen erst während einer Schnupperlehre, ob ein Beruf wirklich ihren Erwartungen entspricht. Diese praktischen Erfahrungen helfen, Fehlentscheide zu vermeiden und die eigenen Wünsche zu präzisieren.

Parallel dazu werden die Bewerbungsunterlagen aufgebaut. Lebenslauf, Bewerbungsschreiben und weitere Dokumente werden Schritt für Schritt zu einem vollständigen Bewerbungsdossier ergänzt. Auch Vorstellungsgespräche werden vorbereitet und trainiert. Ein besonderes Highlight ist das Speedcoaching, bei dem Fachpersonen aus der Berufswelt mit den Jugendlichen kurze Bewerbungsgespräche führen und ihnen direktes Feedback geben.

 

Wie läuft ein Bewerbungsgespräch ab? Beim Speedcoaching im 8. Schuljahr erhalten die Jugendlichen eine realistische Vorbereitung auf den Bewerbungsprozess. Fachpersonen aus der Berufswelt führen kurze Vorstellungsgespräche und geben direktes Feedback zu Auftreten, Kommunikation und Bewerbungsunterlagen. In diesem geschützten Rahmen können die Lernenden Erfahrungen sammeln, Unsicherheiten abbauen und sich gezielt auf echte Bewerbungsgespräche vorbereiten.

 

9. Schuljahr: Entscheidung und individuelle Begleitung
Im letzten Oberstufenjahr ist die Situation der Jugendlichen sehr unterschiedlich. Einige haben bereits einen Lehrvertrag unterschrieben, andere befinden sich noch im Bewerbungsprozess oder prüfen alternative Bildungswege. Deshalb steht nun die individuelle Unterstützung im Vordergrund. Lehrpersonen begleiten die Jugendlichen bei Bewerbungen, helfen bei der Suche nach offenen Lehrstellen und vermitteln bei Bedarf zusätzliche Beratungsangebote.

Gleichzeitig wird der Übergang ins Berufsleben vorbereitet. Themen wie Lehrvertrag, Rechte und Pflichten von Lernenden oder die Veränderungen im Alltag einer Berufslehre werden gemeinsam besprochen. So können die Jugendlichen ihrem nächsten Lebensabschnitt mit mehr Sicherheit entgegensehen.

 

Am Gersag 2 können Lernende der 8. und 9. Klasse das Berufswahlcoaching nutzen. Dabei erhalten sie persönliche Unterstützung beim Schreiben und Überarbeiten von Bewerbungen, bei der Suche nach passenden Lehrstellen sowie bei Fragen rund um die Berufswahl. Auch Jugendliche, die noch unsicher sind, welcher Beruf zu ihnen passt, können sich beraten lassen. Im vergangenen Schuljahr erhielten die Jugendlichen des 8. Schuljahres zudem im Rahmen der Spezialwoche weitere Einblicke in die Arbeitswelt. Sie besuchten unter anderem das Hotel Schweizerhof Luzern, Schindler, B. Braun Medical, das KKL und die Schmid AG. Vor Ort lernten sie verschiedene Berufe und Arbeitsbereiche kennen und konnten Fragen direkt an Fachpersonen stellen.

 

Eine gemeinsame Aufgabe
Eine erfolgreiche Berufswahl gelingt nur im Zusammenspiel vieler Beteiligter. Die Schule begleitet und unterstützt, die Eltern stehen ihren Kindern beratend zur Seite, und die Betriebe öffnen ihre Türen für Schnupperlehren und Berufserkundungen. Ergänzt wird dieses Netzwerk durch die Angebote des Berufsinformationszentrums (BIZ).

Der Berufswahlunterricht an der Sekundarschule zeigt eindrücklich, dass eine gute Berufswahl Zeit braucht. Über drei Jahre hinweg lernen die Jugendlichen, sich selbst besser kennenzulernen, Chancen zu erkennen und Verantwortung für ihren eigenen Weg zu übernehmen. So verlassen sie die Oberstufe nicht nur mit einem Schulabschluss, sondern auch mit einer Perspektive für ihre Zukunft.

 

Welcher Beruf passt zu mir? Eine Antwort darauf liefert der Berufserkundungsparcours kurz vor den Herbstferien im 8. Schuljahr. An zwei Halbtagen besuchen die Jugendlichen verschiedene Betriebe und erhalten direkte Einblicke in die Arbeitswelt. Sie lernen unterschiedliche Berufe kennen, stellen Fragen an Fachpersonen und erleben den Berufsalltag vor Ort. Die praktischen Erfahrungen helfen dabei, eigene Interessen zu entdecken, Berufswünsche zu konkretisieren und neue Perspektiven für die Zukunft zu gewinnen. Der Berufserkundungsparcours wird von der Gemeinde Emmen für alle drei Sekundarschulen organisiert.

Die Lernenden der Sekundarschule Erlen sind beim Speedcoaching in der Aula in «Bewerbungsgespräche» mit Fachpersonen aus der Berufswelt vertieft. (Bild: Raffaella Schwarz)