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«Stop Bypass»: Emmen stimmt über seinen Kurs ab

24. Oktober 2026
Am 29. November 2026 entscheidet die Emmer Stimmbevölkerung über die Gemeindeinitiative «Stop Bypass Region Luzern». Im Kern geht es dabei nicht um den Bau des Bypasses selbst, sondern um die Frage, welche Haltung die Gemeinde Emmen gegenüber dem Nationalstrassenprojekt einnehmen soll. Gemeinderat und Einwohnerrat empfehlen die Initiative zur Ablehnung.

Mehr Strassen, weniger Stau? Oder mehr Verkehr, mehr Lärm und zusätzliche Belastungen für Mensch und Umwelt? Am geplanten Bypass Luzern scheiden sich die Geister. Mit der Gemeindeinitiative «Stop Bypass Region Luzern» kommt die Diskussion nun auch in Emmen an die Urne. Die Initiative verlangt, dass sich die Gemeinde mit allen ihr rechtmässig zur Verfügung stehenden Mitteln bei Bund und Kanton gegen den weiteren Ausbau der Nationalstrassen im Raum Emmen/Luzern einsetzt – insbesondere gegen den Bypass Luzern.

Wichtig dabei: Die Emmer Stimmbevölkerung entscheidet am 29. November 2026 nicht über den Bau des Bypasses. Nationalstrassen liegen in der Zuständigkeit des Bundes. Zur Abstimmung steht vielmehr die Frage, ob die Gemeinde Emmen den verbindlichen politischen Auftrag erhalten soll, sich grundsätzlich gegen das Projekt und weitere Nationalstrassenausbauten in der Region einzusetzen.

Ein Milliardenprojekt mit langer Bauzeit
Mit dem Bypass Luzern will der Bund die Verkehrsengpässe auf der A2 und A14 im Raum Luzern beseitigen. Herzstück ist ein neuer, rund 3,8 Kilometer langer Autobahntunnel zwischen Ibach und Kriens. Hinzu kommen unter anderem der sechsspurige Ausbau der A14, eine dritte Tunnelröhre in Rathausen sowie Anpassungen an verschiedenen Autobahnanschlüssen und Verzweigungen.

Das Gesamtprojekt kostet nach aktuellem Stand gut 1,8 Milliarden Franken. Für die Realisierung rechnet der Bund mit rund 16 Jahren. Wann die Bauarbeiten beginnen können, ist aufgrund noch offener Rechtsverfahren unklar.

Gerade die lange Bauzeit dürfte auch Emmen vor Herausforderungen stellen. Je nach Bauphase sind veränderte Verkehrsführungen, Ausweichverkehr und zusätzliche Belastungen auf dem Gemeindegebiet möglich. Der Gemeinderat hat deshalb in den vergangenen Jahren wiederholt Verbesserungen verlangt und 2024 Beschwerde gegen die Plangenehmigung erhoben.

Mit Erfolg aus Sicht des Gemeinderates: Im September 2026 konnte die Gemeinde mit dem Bund und dem Kanton eine Vereinbarung über flankierende Massnahmen während der Bauzeit abschliessen. Sie sieht unter anderem angepasste Verkehrsführungen, Massnahmen zur Sicherung des Busverkehrs sowie eine laufende Überwachung der Verkehrslage vor. Bei Bedarf können zusätzliche Massnahmen ergriffen werden. Im Gegenzug zog Emmen seine Beschwerde zurück.

Initiativkomitee warnt vor Mehrverkehr
Für das Initiativkomitee geht diese Vereinbarung zu wenig weit. Es bezweifelt grundsätzlich, dass der Bypass die Verkehrsprobleme der Region langfristig lösen kann. Zusätzliche Strassenkapazitäten führten aus seiner Sicht zu mehr Verkehr und damit zu weiteren Belastungen für Bevölkerung, Umwelt und Klima. Kritisiert werden zudem die hohen Kosten, die lange Bauzeit sowie die möglichen Folgen für Gewerbe, Wohnquartiere und Naherholungsgebiete.

Das Komitee verweist auch auf das Nein der Schweizer Stimmbevölkerung zum Nationalstrassenausbau im November 2024. Zwar war der Bypass nicht Bestandteil jener Abstimmung, das Ergebnis sei jedoch ein klares politisches Signal gegen weitere Autobahnausbauten. Mit einem Ja zur Initiative soll dieses Signal bekräftigt und die Gemeinde zu einem grundsätzlichen Kurswechsel verpflichtet werden.

Gemeinderat setzt auf konkrete Verbesserungen
Der Gemeinderat teilt das Anliegen, die Emmer Bevölkerung vor zusätzlichen Belastungen zu schützen, zieht daraus jedoch andere Schlüsse. Statt sich grundsätzlich gegen das Bundesprojekt zu stellen, will er die vorhandenen Einflussmöglichkeiten für konkrete Verbesserungen nutzen. Im Vordergrund stehen dabei die Begrenzung des Ausweichverkehrs, der Schutz der Wohnquartiere und ein möglichst reibungsloser öffentlicher Verkehr während der Bauzeit.

«Für uns steht im Zentrum, die Auswirkungen des Projekts auf Emmen möglichst gering zu halten und die vorhandenen Einflussmöglichkeiten für konkrete Verbesserungen zu nutzen», sagt Bau- und Umweltdirektor Andreas Roos. Die inzwischen abgeschlossene Vereinbarung mit Bund und Kanton bestätigt aus Sicht des Gemeinderates diesen Weg.

Die Abstimmungsbroschüre sowie die Vereinbarung über die flankierenden Massnahmen hängen als PDF unten.

Die Verzweigung Rotsee soll im Rahmen des Bypasses Luzern angepasst werden. Am 29. November 2026 entscheidet die Emmer Stimmbevölkerung, welchen Kurs die Gemeinde gegenüber dem Grossprojekt künftig verfolgen soll. (Bild: pbu)
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