Gemeinde Emmen
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In kurzer Zeit haben KI-Chatbots den Sprung aus Fachkreisen in den Alltag geschafft: Man tippt eine Frage, beschreibt eine Aufgabe oder bittet um einen Vorschlag – und erhält innert Sekunden eine Antwort, oft in erstaunlich flüssiger Sprache. Möglich wird das durch grosse Sprachmodelle, die Muster aus sehr vielen Texten erkennen und daraus passende Formulierungen berechnen.
Warum KI Jugendliche fasziniert
KI ist schnell, jederzeit verfügbar und fühlt sich im Dialog oft erstaunlich persönlich an. Jugendliche nutzen KI, um Texte zu verbessern, zu lernen, sich inspirieren zu lassen oder Gedanken zu sortieren.
«Die generative KI, von der wir hier sprechen, hat den Vorteil, dass sie sehr gut als Gesprächspartnerin dienen kann, um Ideen zu explorieren oder Themen zu reflektieren.»
Er betont gleichzeitig: KI könne hilfreich sein, wenn sie als Werkzeug verstanden werde – nicht als verlässliche Instanz. «Generative KI ist ein gedopter Wahrscheinlichkeitsrechner. Antworten werden nicht aufgrund ihrer Richtigkeit generiert, sondern aufgrund von Wahrscheinlichkeiten von Buchstabenfolgen.»
Auch Jürgen Feigel, Leiter Bereich Gesellschaft und verantwortlich für die Regionale Jugend- und Familienberatung, sieht im Alltag Nutzen, wenn Familien und Schulen das Thema als Hilfsmittel oder Ergänzung aufnehmen.
«KI kann ein hilfreiches Werkzeug sein. Entscheidend ist, dass sich Jugendliche nicht nur einer App anvertrauen, sondern auch Menschen haben, mit denen sie sprechen können.»
Wo die Risiken beginnen
Parallel wächst die öffentliche Diskussion über Schattenseiten. Problematisch wird es, wenn KI nicht mehr primär als Hilfsmittel genutzt wird, sondern Beziehungen ersetzt oder emotionale Sicherheit verspricht, die sie nicht geben kann. Ein Chatbot kann sehr überzeugend reagieren, aber nicht verlässlich beurteilen, ob jemand in einer Krise steckt, ob Aussagen gefährlich sind oder ob professionelle Hilfe nötig wäre.
Feigel beschreibt das Risiko aus Beratungssicht so: «Problematisch wird es, wenn sich Jugendliche zurückziehen, vieles für sich behalten und der Zugang über Gespräche immer schwieriger wird.» Nicht jedes intensive Chatten ist alarmierend, aber Eltern sollten hinschauen, wenn sich ein Jugendlicher deutlich zurückzieht, Schlaf und Stimmung kippen oder Gespräche konsequent abgeblockt werden. Dann geht es weniger darum, eine App zu verbieten, sondern darum, Beziehung anzubieten und Druck aus der Situation zu nehmen.
«Verbote helfen oft nicht weiter. Besser ist, Risiken ruhig zu erklären, gemeinsam Regeln zu finden und im Gespräch zu bleiben.»
Wichtig sei dabei, den Beziehungsaufbau nicht erst dann zu suchen, wenn es kriselt: Wer früh Interesse zeigt und Vertrauen stärkt, findet in schwierigen Phasen eher den Zugang.
Wie Eltern gut begleiten können
Begleitung beginnt mit Interesse statt Kontrolle. Wer offen fragt, wofür KI genutzt wird, signalisiert Vertrauen und schafft die Basis für Regeln, die gemeinsam getragen werden. «Sinnvolle Einschränkungen gehören dazu – gerade, weil das Gehirn noch in der Entwicklung ist. Ein klarer Rahmen ermöglicht Schritt für Schritt mehr Eigenverantwortung», sagt Costa. Es gehe um digitale Mündigkeit, nicht um perfekte Abschirmung.
Feigel rät Eltern, auf den Ton zu achten: ruhig, konkret, ohne Vorwurf. «Ich würde nicht mit Vorwürfen einsteigen, sondern mit Interesse: Wie nutzt du KI, wie gehst du dabei vor und was fragst du sie?» Und er macht klar: Wenn Themen wie Verzweiflung, Selbstverletzung oder Suizidgedanken auftauchen, ist es wichtig, nicht abzuwarten, sondern sofort Hilfe beizuziehen.
«Wenn das Bauchgefühl sagt, dass etwas nicht stimmt, darf man sich jederzeit Unterstützung bei einer Fachstelle holen.»
Die Regionale Jugend- und Familienberatung (JFB) der Gemeinde Emmen bietet Eltern, Jugendlichen und Bezugspersonen Gespräche und Beratung an – auch bei Fragen zu digitalen Themen und Mediennutzung. Hilfreich ist es zudem, gemeinsam einfache Regeln zur Erreichbarkeit zu setzen, etwa keine langen Chats in der Nacht. Das schützt Schlaf und Alltag, ohne das Thema KI zu tabuisieren.
Regionale Jugend- und Familienberatung Emmen, Rothenburg und Rain
Hochdorferstrasse 1
6020 Emmenbrücke
Telefon: 041 268 08 88
E-Mail: familienberatung@emmen.ch
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Das Angebot ist kostenlos, freiwillig und vertraulich. Termine können telefonisch oder schriftlich vereinbart werden.