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Hausarzt gesucht? Mitte fordert Strategie für Emmens Gesundheitsversorgung

17. Februar 2026
Wenn die Hausärztin in Pension geht und keine Nachfolge in Sicht ist, wird die medizinische Grundversorgung zur Frage des Wohnorts. Die Mitte-Fraktion im Einwohnerrat verlangt deshalb konkrete Schritte, um die gesundheitliche Versorgung der Bevölkerung langfristig zu sichern. Der Gemeinderat anerkennt den Handlungsbedarf – und hat sich bereits auf den Weg gemacht.

Die Ausgangslage ist bekannt: Hausärztinnen und Hausärzte finden vielerorts keine Nachfolge, Gruppenpraxen verhängen Aufnahmestopps, Wartezeiten bei Fachärzten und in der Psychiatrie sind lang. Auch in Emmen werde sich die Situation in den kommenden Jahren verschärfen, schreibt die Mitte in einem Postulat (19/25). Mit Blick auf die alternde Bevölkerung und das Prinzip «ambulant vor stationär» sei zu erwarten, dass die Nachfrage nach Arztkonsultationen weiter steigt.

Die Fraktion fordert deshalb eine Auslegeordnung zur aktuellen Versorgungslage, ein regelmässiges Monitoring der Hausarztdichte sowie einen institutionalisierten Austausch zwischen Gemeinde und Leistungserbringern. Zudem soll Emmen als attraktiver Standort für Praxisgründungen positioniert und der Zugang zu Informationen über bestehende Angebote vereinfacht werden, etwa über ein digitales Register.

Projekt INGE soll Lücken schliessen
Der Gemeinderat teilt die Einschätzung, dass Handlungsbedarf besteht. Gleichzeitig weist er darauf hin, dass die Sicherstellung der medizinischen Grundversorgung gesetzlich beim Kanton liegt. Eine gemeindescharfe Datenerhebung sei schwierig, da Ärztinnen und Ärzte keiner Meldepflicht gegenüber der Gemeinde unterstehen.

Recherchen zeigen dennoch: Die empfohlene Dichte von einer Hausärztin oder einem Hausarzt pro 1000 Einwohner wird in Emmen nicht erreicht. Auch in einzelnen Fachbereichen bestehen Engpässe.

Bereits angestossen ist das Projekt «Integrierte Gesundheitsversorgung Emmen» (INGE). Herzstück soll eine neue Kontaktstelle Gesundheit Emmen (KGE) sein, im Sinne einer niederschwelligen Anlaufstelle für Fragen rund um die Gesundheitsversorgung. Eine Pilotphase ist für 2026 vorgesehen, entsprechende Mittel wurden budgetiert.

Der Gemeinderat zeigt sich denn auch bereit, das Postulat entgegenzunehmen und die Anliegen im Rahmen der laufenden Arbeiten weiterzuverfolgen. Über das Geschäft entscheidet der Einwohnerrat an seiner Sitzung vom 10. März 2026. Die vollständige Traktandenliste gibt’s hier.

Hausärztinnen und Hausärzte sind zentrale Anlaufstellen der medizinischen Grundversorgung. Ihre Sicherstellung beschäftigt nun auch das Emmer Parlament. (Bild: zvg)