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Emmer Imkerin nutzt Luft aus dem Bienenstock zur Inhalation

24. März 2026
Die Emmer Pflegefachfrau und Imkerin Carmen Andermatt nutzt die besondere Luft aus dem ­Bienenstock für Inhalationen. Die sogenannte Apiluft lindert Beschwerden, die etwa bei Allergien, Atemwegsproblemen oder Hautbeschwerden auftauchen. Eine uralte Methode, die in Emmen und in der ganzen Schweiz noch Pioniercharakter hat.

«Du spürst sofort, wie sich etwas in dir entspannt», sagt Carmen Andermatt, während sie demonstriert, wie sie Schlauch und Maske vorsichtig anlegen würde. Richtig ansetzen dürfen wir nicht an diesem Fe­bruartag. Dafür sind die Bienenvölker noch zu schwach. Aber draussen vor den Fenstern fliegen einige Bienen gut erkennbar. «Doch keine Sorge, wir würden auch bei der Inhalation nicht mit ihnen in Kontakt kommen. Nur mit der lindernden Luft aus ihrem Bienenstock.»

Ob während der kalten Monate, wenn die Winterbienen langsam absterben, nachdem sie die Königin durchgebracht haben, oder im Sommer: Die Bienen schaffen in ihrem Stock eine konstante Wärme von 35 Grad, halten Luftfeuchtigkeit und Reinheit auf einem Niveau, das Menschen kaum erreichen könnten. «Wollten wir so einen Raum nachbauen, hätten wir sofort Schimmel an den Wänden. Die Bienen sind wahre Künstler!», sagt sie fasziniert.

Von Emmen nach Osteuropa
Seit dreissig Jahren lebt Carmen Andermatt mit ihrem Mann in Emmen. Sie ist Mutter zweier erwachsener Töchter und arbeitet als Pflegefachfrau. «Ich bin quasi per Zufall in den Ausbildungskurs für Imker gerutscht, beim Emmer Bienenlehrstand am Riffigweiher», erinnert sie sich. Ihr Mann hatte sich gerade den Traum eines eigenen Waldstücks erfüllt, da doppelte sie kurzerhand mit eigenen Bienenvölkern nach.

Schnell merkte Andermatt bei ihrer Arbeit mit den Bienen, dass es um viel mehr geht als nur um Honig. «In so einem Bienenkasten steckt eine ganze Apotheke», ist sie überzeugt. Die Bienen produzieren Propolis, Wachs, Pollen, Gelée Royale und Bienengift. Alles zusammen eine natürliche, sanfte Medizin.
 

«Die Luft im Bienenstock ist konstant warm, feucht und wertvoll angereichert – eine vollständige Apotheke mit Inhaltsstoffen aus der Natur.»

Carmen Andermatt


2019 besuchte Andermatt gemeinsam mit ihrer Imkerkollegin, der Ärztin Andrea Galanti, eine Ausbildung in Deutschland, um die Methode der Bienenstockluftinhalation zu erlernen. Später folgte eine Ausbildung bei einem Facharzt für Apitherapie in Rumänien. «Im Osten ist diese Therapieform verbreiteter. Hierzulande greifen wir oft sofort zu Tabletten, dabei kann schon eine halbe Stunde Bienenstockluftinhalation viele Symptome lindern», ist Andermatt überzeugt.

Vom Selbstversuch zum eigenen Therapieraum
Dann hat es die beiden Frauen gepackt: In Hellbühl fanden sie schliesslich den idealen Ort, um die Inhalation anzubieten – einen Schopf, den sie selbst umbauten, sodass Mensch und Biene harmonisch aufeinandertreffen. Die warme Luft aus dem Bienenstock wird über einen Schlauch in die Inhalationsmaske geleitet. Die Bienen bleiben dank eines Zwischenbodens ungestört, doch die wertvollen Inhaltsstoffe erreichen die Lunge. «Zuerst habe ich die Inhalation zu Hause ausprobiert, auf dem Liegestuhl. Ich habe sofort gespürt: Das tut gut!», erinnert sich Carmen Andermatt.

Studien gibt es nur wenige, Krankenkassen anerkennen die Methode hierzulande nicht. Doch die Erfahrungen sprechen für sich: «Eine Asthmapatientin verzeichnete nach zwölf Inhalationssitzungen deutlich verbesserte Lungenwerte beim Spezialisten», ist die Emmerin fasziniert. Auch Kinder mit Allergien und Erwachsene, die zuvor wegen Pollen keine Gartenarbeit mehr machen konnten, spürten unmittelbar Linderung. «Jemand kam wegen juckender Haut und stellte später fest, dass sich auch eine Beschwerde im Ohrenbereich verbessert hatte.» Manche kommen ohne akute Symptome, weil sie ihre Abwehrkräfte stärken möchten.»

Für Carmen Andermatt und Andrea Galanti ist das Angebot kein Geschäft. «Wir könnten hier nicht genug Menschen bedienen, um davon zu leben. Es geht uns um die Faszination, dass der Mensch von den Bienen weit mehr profitieren kann als nur vom Honig.» Für die Emmerin selbst sei es vor allem ein Projekt, das die Arbeit mit den Bienen noch spannender macht und gleichzeitig dem Menschen guttun kann.

Eine Frau in einem Raum mit einem Inhalationsgerät.
Während der Flugzeit der Bienen, zwischen Mai und September, bietet Carmen Andermatt im umgebauten Schopf Inhalationen mit Bienenstockluft an. (Bild: pbi)