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Zuständig für den Ausnahmefall

7. Juli 2026
Ein Stromausfall, ein Unwetter oder eine Lage, die plötzlich aus dem Ruder läuft: Szenarien, von denen alle hoffen, dass sie nie eintreten. Falls doch, kommt in Emmen der Gemeindeführungsstab zum Einsatz. Michael Kümin koordiniert ihn als Chef Bevölkerungsschutz und Stabschef mit dem Ziel, im Ernstfall rasch Orientierung zu schaffen und die Lage koordiniert zu bewältigen.

Wer Michael Kümin trifft, begegnet jemandem, der lieber vorbereitet, ordnet und mitdenkt, als sich in den Vordergrund zu stellen. Aufgewachsen und verwurzelt in Emmen, verheiratet, Vater von zwei Kindern, verbringt der 43-Jährige seine Freizeit am liebsten beim Fischen am Rotbach, beim Grillieren im Garten oder auf dem Motorrad.

Dass ihn sein beruflicher Weg einmal zum Bevölkerungsschutz führen würde, war nicht von Anfang an absehbar. Mit dem Eintritt in die Feuerwehr Emmen im Jahr 2004 nahm diese Entwicklung ihren Lauf. Während er sich im Milizsystem als Offizier und Ausbildungschef engagierte, war er beruflich als Instruktor im Zivilschutz tätig. Besonders wichtig war ihm dabei immer auch die Vermittlung von Wissen. «Ausbilden und Übungen gestalten hat mir immer sehr gut gefallen.»

Heute arbeitet Kümin in einem Bereich, der im Alltag wenig auffällt, im Ereignisfall aber entscheidend ist: Als Chef Bevölkerungsschutz und Stabschef des Gemeindeführungsstabs (GFS) der Gemeinde Emmen befasst er sich mit ausserordentlichen Lagen sowie den Fragen, was eine Gemeinde braucht, wenn Gewohntes nicht mehr selbstverständlich funktioniert.

Wenn das Unerwartete eintrifft
Wer mit Michael Kümin über seine Arbeit spricht, merkt schnell: Ihn interessiert nicht das Spektakuläre, sondern das, was davor geschehen muss. Im Alltag sind es die Blaulichtorganisationen, die Ereignisse bewältigen. Seine Aufgabe hingegen beginne dort, wo Lagen komplexer würden, länger dauerten oder nicht mehr mit den gewohnten Mitteln aufgefangen werden könnten.

Kümin beschreibt den Bevölkerungsschutz als eine Tätigkeit, die man idealerweise gar nicht bemerkt. «Bevölkerungsschutz ist wie eine Versicherung. Man ist froh, wenn man ihn nie braucht – und im Ernstfall froh, wenn er da ist», sagt er. Es gehe nicht darum, Angst vor dem Ausnahmefall zu schüren, sondern darauf vorbereitet zu sein.

Vorausdenken, vernetzen, üben
Vieles davon passiert lange vor einem möglichen Ereignis: am Schreibtisch, in Übungen und im Austausch mit Partnern. Als Kümin in Emmen anfing, standen zunächst Grundlagenarbeiten wie bestehende Strukturen überprüfen, Vorgaben anpassen, Abläufe schärfen, Mitglieder des GFS ausbilden. Welche Risiken sind für Emmen relevant? Wer kann in welcher Lage was leisten? Wo bestehen Lücken? Und welche Schnittstellen müssen funktionieren, damit im Ereignisfall nicht nebeneinander, sondern miteinander gearbeitet wird?

Dafür sucht Kümin gezielt den Kontakt zu jenen Stellen, die in ausserordentlichen Lagen wichtig werden können: zu Feuerwehr und Zivilschutz, zu kantonalen Partnern, aber auch zu Betrieben und Institutionen in der Gemeinde. Dabei geht es darum, Bedürfnisse abzuholen, Kontakte zu pflegen und früh zu klären, wo im Bedarfsfall zusätzliche Mittel verfügbar wären – von schwerem Gerät bis zu möglichen Unterkünften.

«Operatio Pista»
Wie wichtig diese Vorbereitung ist, zeigte Ende Mai 2026 die Übung «Operatio Pista». Dabei probte der Gemeindeführungsstab Emmen seine Abläufe in einer anspruchsvollen Lage mit vielen Schnittstellen, hohem Tempo und laufend neuen Informationen. Die Übung begann nicht im Führungsraum, sondern draussen im Einsatz: Feuerwehr, Polizei und Rettungsdienst rückten zum Ereignis aus, beurteilten die Lage und lösten anschliessend über die Luzerner Polizei das Aufgebot des Gemeindeführungsstabs aus. Danach nahm der GFS seine Stabsarbeit auf, beschaffte Informationen, erstellte ein erstes Lagebild und koordinierte die nächsten Schritte.

Beteiligt waren auch verschiedene Partner auf Bundesebene, darunter Fedpol, die Bundesanwaltschaft und Arabella, der Krisenstab der Armee. «Jede Übung bringt wertvolle Erkenntnisse mit sich», hält Kümin in der Auswertung fest. Bewährt hätten sich unter anderem das rasche Einrücken, die aktive Informationsbeschaffung und die konsequente Problemerfassung. Gleichzeitig zeigte die Übung, wo weiter geschärft werden kann: bei der Lagevisualisierung, bei der Abstimmung der Rapportzeiten und in der Kommunikation gegenüber der Bevölkerung.

Nach seinem Amtsantritt Anfang Mai 2026 nahm auch Gemeinderat Christian Blunschi erstmals an einer solchen Übung teil. «Für mich wurde deutlich, wie schnell der Stab in seine Arbeit findet und wie wichtig klare Abläufe sind, wenn viele Informationen gleichzeitig zusammenkommen», sagt er.

Kurze Wege, klare Zuständigkeiten
Was Kümin an Emmen schätzt, sind kurze Wege, Offenheit und die Bereitschaft vieler Stellen, zusammenzuarbeiten. Denn Bevölkerungsschutz entsteht nicht erst dann, wenn etwas passiert, sondern wächst dort, wo Zuständigkeiten geklärt, Kontakte gepflegt und Erwartungen früh besprochen werden.

Dass das Thema in der Gemeinde ernst genommen wird, zeigt sich nicht nur in der Zusammenarbeit mit Feuerwehr, Polizei, Zivilschutz und weiteren Partnern, sondern auch im politischen Rückhalt. Das ist mehr als eine formale Angelegenheit: Gemäss Bevölkerungsschutzgesetz tragen die Gemeinden Verantwortung für die Bewältigung von Katastrophen und Notlagen auf ihrem Gebiet. Emmen nimmt diese Aufgabe bewusst wahr und hat den Bevölkerungsschutz in den letzten Jahren gezielt gestärkt.

Sicherheit ist keine Einzelleistung
Wie wichtig das ist, haben auch die vergangenen Jahre gezeigt. Grössere Entwicklungen wie Energiemangellagen oder eine Pandemie bleiben nicht auf nationaler oder internationaler Ebene hängen, sondern wirken bis in die Gemeinden hinein. Umso wichtiger ist es, vorbereitet zu sein und im Ereignisfall handlungsfähig zu bleiben. Und das gelingt nur dann wirklich, wenn auch die Bevölkerung weiss, was zählt.

Genau dort setzt Kümins Verständnis von Bevölkerungsschutz an. Nicht Alarm, nicht Dramatisierung, sondern Verlässlichkeit. Und er macht deutlich, dass auch die Emmerinnen und Emmer ihren Teil beitragen können, sei es mit Notvorrat, der Alertswiss-App, mit dem Wissen über Notfalltreffpunkte oder ganz grundsätzlich mit der Bereitschaft, in ausserordentlichen Situationen aufeinander zu achten.

«Es geht nicht darum, Angst zu haben, sondern vorbereitet zu sein», sagt Michael Kümin, Chef Bevölkerungsschutz der Gemeinde Emmen. (Bild: msc)