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Europäische Tage des Denkmals: Der Schoggiturm wird neu gedacht

15. September 2026
Rund 20 Interessierte nutzten am 13. September 2026 die Gelegenheit, den Emmer «Schoggiturm» im Rahmen der Europäischen Tage des Denkmals von innen kennenzulernen. Die Führung zeigte nicht nur, weshalb das Verwaltungsgebäude der Nachkriegsmoderne ein spannendes Zeitzeugnis ist, sondern auch, wie die Gemeinde Emmen seine Zukunft plant.

Unter dem diesjährigen Motto «In Gefahr?Externer Link wird in einem neuen Fenster geöffnet.» standen insbesondere Gebäude der Nachkriegsmoderne im Fokus. Auch der 1972 erbaute Schoggiturm ist ein Beispiel dafür, wie anspruchsvoll der Umgang mit jüngeren Bauwerken sein kann. Gebietsdenkmalpflegerin Corina Barandun vom Kanton Luzern ordnete das Gebäude und seine Entstehungszeit ein. Architekt Paul Steger hatte 1969 den Wettbewerb gewonnen und das Verwaltungsgebäude als Teil eines Ensembles von drei Gebäuden geplant.

Nicht einfach ein neues Projekt – sondern das passende Team
Michael Städelin, Projektleiter Portfolio-Management der Gemeinde Emmen, gab Einblick in die Entwicklung des Sanierungsvorhabens. Bereits 2023 startete die Gemeinde mit einer umfassenden Analyse des Gebäudes zu Statik, Brandschutz und weiteren technischen Anforderungen. Gleichzeitig stellte sich die Frage: Wie viel Platz braucht die Verwaltung heute und künftig? Und wie soll sie in Zukunft arbeiten? Dabei wurden verschiedene Optionen geprüft – von einer Erweiterung bis zu einem möglichen Umzug. Der Entscheid fiel zugunsten des bestehenden Standorts. Der zentrale Standort im Gersag soll erhalten bleiben.

Eine wichtige Weichenstellung war anschliessend das Planwahlverfahren. «Für uns war nicht nur entscheidend, wie ein möglicher Entwurf aussieht, sondern vor allem, wie ein Planungsteam an die Aufgabe herangeht. Wir wollten herausfinden, wer Emmen, seine Geschichte und seine Bedürfnisse versteht und daraus überzeugende Lösungen entwickeln kann», erklärte Städelin. Gesucht war ein Planungsteam, das die Identität Emmens begreift und daraus ein pragmatisches und zugleich raffiniertes Projekt für die Zukunft ableitet. Den Zuschlag erhielt das Büro Guerra Clauss Architektinnen mit dem Konzept «Baldachin».
 

Philippine de Varine-Bohan zeigt eine Visualisierung des sanierten Schoggiturms mit einer aktuell geprüften Variante für eine Aufstockung. (Bild: pbi)


Fassade, Gebäudekern und New Work gehören zusammen
Im Mittelpunkt der Führung stand die Frage, wie die verschiedenen Teile des Sanierungsprojekts zusammenspielen. Die energetische Sanierung der Fassade ist einer von drei Bestandteilen. Der Einwohnerrat hat der Gemeinde dabei einen klaren Auftrag mitgegeben: Aus der Sanierung soll ein energetisches Leuchtturmprojekt werden. Die Gebäudehülle soll energetisch verbessert, die bestehende Fassade möglichst weiterverwendet und mit Photovoltaik ergänzt werden. Gleichzeitig wird der Gebäudekern saniert. Treppenhaus, Lifte, Nasszellen sowie Sanitär- und Elektroleitungen müssen erneuert werden.

Und schliesslich geht es um die Frage, wie die Menschen künftig im Gebäude arbeiten. Das Projekt «New Work» wurde deshalb stärker mit der baulichen Planung verknüpft. Aktuell wird der konkrete Flächenbedarf der Verwaltung analysiert. Die Erkenntnisse daraus bilden die Grundlage für das künftige Raumprogramm und die Bürogestaltung. Dabei zeigt sich bereits: Eine Lösung für alle gibt es nicht. Unterschiedliche Aufgaben benötigen unterschiedliche Arbeitsumgebungen.

Diese Themen sollen nicht nacheinander als einzelne Projekte entwickelt und am Schluss zusammengefügt werden. Architektur, technische Anforderungen, Sanierung und die künftige Arbeitswelt werden vielmehr gemeinsam gedacht.

Ein Gebäude mit Potenzial
Die Führung machte deutlich, dass der Schoggiturm mehr zu bieten hat, als sein heutiger Zustand vermuten lässt. Die Aussicht über die Region ist spektakulär. Bei der künftigen Fassadengestaltung soll insbesondere an den Gebäudeecken der Panoramablick besser zur Geltung kommen. «Wir wollen die Ecken möglichst offen halten, damit der Panoramablick nicht durch Säulen verstellt wird», erklärte Architektin Philippine de Varine-Bohan. Auch die bestehende Dachterrasse könnte künftig stärker als Aufenthaltsort genutzt werden.

Gleichzeitig ist der Umgang mit der bestehenden Bausubstanz eine anspruchsvolle Aufgabe. Das Planungsteam prüft derzeit unter anderem, welche Fassadenelemente wiederverwendet werden können. «Wir wollen möglichst viel von der bestehenden Fassade weiterverwenden und prüfen deshalb aktuell, wie sich die Elemente für einen neuen Lebenszyklus aufbereiten lassen», sagte Architekt Arthur Clauss. Damit soll nicht nur der Charakter des Gebäudes erhalten, sondern auch der Ressourcenverbrauch reduziert werden.

Die Planung befindet sich weiterhin in einer frühen Phase. Die aktuellen Kostenschätzungen liegen bei rund 27 Millionen Franken. Im weiteren Verlauf werden die Erkenntnisse aus der New-Work-Analyse, den technischen Abklärungen und der architektonischen Planung zusammengeführt. Ende Jahr soll das weitere Terminprogramm konkretisiert werden.

📷 Einen Einblick in die Führung vom 13. September 2026 gibt’s in der Bildergalerie.
 

Fachwissen aus Architektur, Denkmalpflege und New Work: Die verschiedenen Perspektiven machten die Führung durch den Schoggiturm zu einem spannenden Blick auf seine Geschichte und Zukunft. (Bild: pbi)