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Neuschwand: Nach langem Anlauf beginnt ein neues Kapitel

13. Oktober 2026
Lange geplant, politisch umkämpft und nun wird gebaut: Am 9. Oktober 2026 wurde auf dem ehemaligen Herdschwand-Areal der Spatenstich für die Wohnüberbauung Neu-schwand gefeiert. Rund 150 Wohnungen sollen hier entstehen. Für Emmen markiert der Baustart das Ende einer aussergewöhnlich langen Vorgeschichte – und den Beginn eines neuen Quartiers.

Es gibt Spatenstiche, die den Auftakt zu einem Bauprojekt markieren. Und es gibt solche, auf die man besonders lange gewartet hat. Neuschwand gehört zweifellos zur zweiten Kategorie. Am 9. Oktober 2026 griffen Vertreterinnen und Vertreter der Projektbeteiligten und der Gemeinde Emmen auf dem ehemaligen Herdschwand-Areal symbolisch zur Schaufel. Nach vielen Jahren der Planung und zahlreicher politischer und rechtlicher Etappen kann die Wohnüberbauung nun realisiert werden.

«In den letzten Jahrzehnten hat wohl kaum ein Bauprojekt in Emmen so viele Emotionen ausgelöst», sagt Gemeinderat Christian Blunschi beim Spatenstich. Umso mehr freue sich der Gemeinderat, dass nach dem langen Prozess nun der Blick nach vorne gerichtet werden könne.

Zwei Urnengänge und ein langer Weg
Die Geschichte reicht weit zurück. Ihren Ursprung hat Neuschwand in der Neuorganisation der Emmer Betagtenzentren. 2009 stimmte die Emmer Bevölkerung der Überführung der kommunalen Betagtenzentren in die Betagtenzentren Emmen AG deutlich zu. Aufgrund des grossen Sanierungsbedarfs der Herdschwand wurde später entschieden, an einem neuen Standort das heutige Betagtenzentrum Emmenfeld zu realisieren und für das frei werdende Areal einen Investorenwettbewerb durchzuführen.

Als Sieger ging 2014 das Projekt «Neuschwand» hervor. Ruhiger wurde es damit allerdings nicht. Gegen den vorgesehenen Verkauf des Areals formierte sich Widerstand. Die Frage, ob das strategisch gelegene Grundstück veräussert werden sollte und wie dicht darauf gebaut werden darf, wurde kontrovers diskutiert. 2015 sagten die Emmer Stimmberechtigten schliesslich mit hauchdünnen 51,5 Prozent Ja zum Vorvertrag für den Verkauf.

Auch bei der anschliessenden Umzonung und beim Bebauungsplan gingen die Meinungen auseinander. Das Projekt wurde überarbeitet, unter anderem bei den Gebäudehöhen und der Zahl der Punktbauten. 2018 folgte der zweite Gang an die Urne. Dieses Mal fiel das Ja mit rund 56 Prozent deutlicher aus. Beschwerden verzögerten die Realisierung dennoch weiter. Erst 2022 wurde der Bebauungsplan mit einem Entscheid des Bundesgerichts rechtskräftig.

Rund 150 Wohnungen und viel Freiraum
Nun wird aus Plänen Beton, Holz und Lebensraum. Auf dem rund 20'000 Quadratmeter grossen Areal entstehen rund 150 Mietwohnungen mit 1,5 bis 5,5 Zimmern. Vorgesehen sind ein Zeilenbau und sechs dahinterliegende Punkthäuser. Das ehemalige Personalhaus bleibt bestehen, wird saniert und zu Wohnungen umgenutzt. Die Fertigstellung ist im Frühling 2030 geplant.

Eine wichtige Rolle spielt der Freiraum. Die bestehenden öffentlichen Fusswegverbindungen durch das Areal werden erhalten und zu einem quartierverbindenden Netz ausgebaut. Naturnah gestaltete Aussenbereiche, Spielflächen und gemeinschaftlich nutzbare Räume sollen dafür sorgen, dass zwischen den Gebäuden nicht einfach Restflächen, sondern Aufenthalts- und Begegnungsorte entstehen. Auch der historische «Spycher» bleibt erhalten und wird künftig für gemeinschaftliche Nutzungen zur Verfügung stehen.

Gleichzeitig setzt die Überbauung auf hohe Energie- und Nachhaltigkeitsstandards. Geplant sind unter anderem Fernwärme, Photovoltaikanlagen auf den Dächern und Holzelemente an den Fassaden.

Aus einem Politikum wird ein Quartier
Für den Gemeinderat ist der Baustart entsprechend mehr als ein baulicher Meilenstein. «Ein sehr langer und zäher Prozess findet allmählich seinen Abschluss», sagt Christian Blunschi. Der Gemeinderat sei überzeugt, dass mit der Neuschwand ein attraktives Wohnquartier an zentraler Lage entstehe, das dank gut vernetzter Wege und grosszügiger Freiräume auch einen Mehrwert über das eigentliche Areal hinaus schaffe.

Nach Jahren der Abstimmungen, Planungen, Beschwerden und Verfahren beginnt damit das nächste Kapitel der Neuschwand. Oder wie es Blunschi zum Abschluss seiner Ansprache formulierte: Die Hoffnung sei, sich in einigen Jahren an gleicher Stelle wiederzutreffen und dann auf einen «neuen Lieblingsort in Emmen» zurückblicken zu können.

Gruppenfoto Spatenstich
Am 9. Oktober 2026 wurde der Spatenstich für die Wohnüberbauung Neuschwand in Anwesenheit von Vertretern der Gemeinde Emmen, der Bauherrschaft, der Architekten sowie Mitarbeitenden von Losinger Marazzi gefeiert. (Bild: Yves Roth)