Gemeinde Emmen
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Emmen wächst – und wird älter. Damit steigen auch die Anforderungen an Pflege, Wohnen und Gesundheitsversorgung. Ende 2025 hat die FDP-Fraktion im Einwohnerrat deshalb mit einem Postulat (61/25) eine Altersstrategie für die Gemeinde gefordert. Nun liegt die Antwort des Gemeinderates vor. Dieser teilt die grundsätzlichen Anliegen der Postulanten, möchte die Herausforderungen jedoch umfassender angehen.
Eine reine Altersstrategie greife zu kurz, hält der Gemeinderat in seiner Stellungnahme fest. Gerade in der Gesundheitsversorgung gebe es zahlreiche Überschneidungen mit den Bedürfnissen anderer Bevölkerungsgruppen. Deshalb soll zunächst eine übergeordnete Strategie für die Direktion Soziales und Gesellschaft entstehen, aus der anschliessend spezifische Teilstrategien – darunter eine Altersstrategie – abgeleitet werden können.
Für die Erarbeitung dieser Grundlagen hat der Gemeinderat im Budget 2027 entsprechende Mittel vorgesehen. Stimmt der Einwohnerrat diesen zu, sollen die Arbeiten im kommenden Jahr beginnen.
Ambulant vor stationär
Ein zentraler Schwerpunkt liegt auf der Frage, wie ältere Menschen möglichst lange selbstbestimmt zu Hause leben können. Der Gemeinderat unterstützt ausdrücklich die kantonale Strategie «ambulant vor stationär». Demnach sollen ambulante Pflege- und Betreuungsangebote gestärkt und Pflegeheimplätze gezielter für Menschen mit höherem Pflegebedarf eingesetzt werden.
Handlungsbedarf sieht der Gemeinderat insbesondere bei der Belegung bestehender Pflegeheimplätze. So weisen bei der Betagtenzentren Emmen AG derzeit rund 18 Prozent der Bewohnerinnen und Bewohner einen sehr geringen Pflegebedarf auf. Mit einem konsequenten Ausbau ambulanter Angebote könnte ein Teil dieser Menschen länger zu Hause betreut werden. Gleichzeitig sollen stationäre Angebote wie Kurzzeit-, Übergangs- und Entlastungsplätze stärker berücksichtigt werden.
Der Gemeinderat ist überzeugt, dass sich damit auch der prognostizierte zusätzliche Bedarf an Pflegeheimplätzen wesentlich auffangen liesse. Unabhängig davon ist bereits eine Erweiterung geplant: Mit dem Neubau Mattli der Betagtenzentren Emmen AG sollen 2030/2031 vorübergehend 32 zusätzliche Pflegeplätze zur Verfügung stehen.
Wohnen mit Service und vernetzte Versorgung
Auch beim altersgerechten Wohnen möchte der Gemeinderat neue Wege unterstützen. Zwar erscheint das heutige Angebot ausreichend, mit der steigenden Zahl älterer Menschen werden jedoch zusätzliche Wohnformen an Bedeutung gewinnen. Im Vordergrund stehen dabei nicht allein hindernisfreie Wohnungen, sondern Angebote, die bei Bedarf mit Dienstleistungen wie Haushaltshilfe, Mahlzeitendienst, Notfallalarmierung oder Pflege kombiniert werden können.
Ein entsprechendes Beispiel ist das geplante Projekt «Wohnen mit Service» der Betagtenzentren Emmen AG. Mit dem angedachten Neubau Süd im Alp, der einen Zeithorizont bis etwa 2035 hat, könnte dieses Angebot für Menschen mit leichtem Pflegebedarf weiter ausgebaut werden.
Ein weiterer Schwerpunkt ist die bessere Vernetzung der Gesundheitsversorgung. Dabei könnte die Kontaktstelle Alter Emmen (KAE) eine wichtige Rolle übernehmen. Sie betreut bereits heute ein Netzwerk mit über 80 Dienstleistungsanbietenden. Dieses soll weiter ausgebaut und durch zusätzliche Kooperationen gestärkt werden.
Auch die Digitalisierung betrachtet der Gemeinderat als unverzichtbar. «Die Digitalisierung der zukünftigen Gesundheitsversorgung betrachten wir nicht als eine Möglichkeit, die es zu prüfen gilt, sondern als eine Grundvoraussetzung», heisst es in der Stellungnahme. Entscheidend sei, dass die verschiedenen Akteure künftig besser zusammenarbeiten und Informationen effizienter austauschen können.
Gemeinderat empfiehlt Annahme
Dass die Weiterentwicklung der Alters- und Gesundheitsversorgung nicht ohne zusätzliche Kosten möglich sein wird, ist dem Gemeinderat bewusst. Gerade deshalb seien eine vorausschauende Planung und eine engere Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen Leistungserbringern wichtig.
Der Gemeinderat beantragt dem Einwohnerrat, das FDP-Postulat entgegenzunehmen. Er unterstützt dessen Zielrichtung, möchte die Umsetzung jedoch in eine umfassendere Strategie einbetten. Damit sollen nicht nur die Bedürfnisse älterer Menschen, sondern die sozialen und gesundheitlichen Herausforderungen der gesamten Bevölkerung berücksichtigt werden.